Nachdem ich die geneigten Leser die letzten Tage etwas vernachlässigt habe, hier nun die Ereignisse der letzten Tage. Ich erlaube mir, das Pferd von hinten aufzuzäumen und fange bei heute an :-)
Heute morgen bin ich zeitig aufgestanden, da ich ja endlich mal Sport machen und lernen wollte. Reichlich Zeit dafür war, da die erste Vorlesung der Woche für mich am Montag Abend von 19:20 bis 21:45 ist. Also eine Banane und entwas Milch zum Frühstück und ab auf die Laufstrecke. Ich bin über den halben Campus zu einem der Sportplätze um dort zu laufen, einerseits weil ich den mit meinen herrlichen neuen Nike free gelieferten Einlaufplan befolgen wollte und andererseits, weil an diesem Sportplatz ein "Outdoor-Gym" steht. Ist quasi wie ein Spielplatz, nur mit Fitnessgeräten. Alles sehr einfach gehalten, aber mit Stangen für Klimmzüge, Bankdrücken, Gewichten, Bänke für Sit-Ups und so weiter. Nach meinem Sportprogramm wurde kalt geduscht (warmes Wasser gibt es so spät nicht mehr), aber das war gar nicht verkehrt, weil es wieder elendig feuchtwarm war. Danach war ich ein wenig Schreibutensilien einkaufen und nach einem Kaffee bei Markus schon wieder beim Mittagessen. Nach dem Essen habe ich es endlich geschafft, mich an meine Chinesischbücher zu setzten...so langsam muß ich mich ja mal verständigen können. Ein Anruf beim Wasserlieferanten, der mir die Kanister für meinen Wasserspender bringen soll, hat mich wieder von der Notwendigkeit überzeugt, schnell Chinesisch zu lernen. So viel sei verraten: Mein Wasserspender ist noch trocken :-)
Und so verging der Nachmittag wie im Fluge, bis zum Abendessen und der ersten Vorlesung, die nicht weiter nenneswert ist. Alles etwas einschläfernd und schwer zu folgen...
Gestern war ich zeitig auf den Beinen und verabredete mich mit Fabian (die anderen waren alle noch erledigt von gestern abend schätze ich...was keinesfalls bedeutet, daß Fabian nicht meine erste Wahl war!), den Tag eher ruhig angehen zu lassen und durch den Sommerpalast, der mit dem Rad circa 20 Minuten entfernt ist, zu schlendern. Erster Stopp (abgesehen von Fabians Fahrradkorbkauf) war am Alten Sommerpalast, der aber laut Reiseführer nicht sonderlich lohnt und anscheinend auch als "Themepark" (so stand es auf dem Schild davor) aufgemacht ist. Da er uns auch noch zu teuer war, fuhren wir noch 5 Minuten weiter und kamen schließlich am Yeheyuan an, allerdings nur als zwei von unzähligen Besuchern. Schon vor dem Eingang wurde man von vielen Einheimischen angesprochen, ob man einen Führer braucht und im Laufe des Tages stellten wir fest, daß es diese Guides tatsächlich in allen erdenklichen Sprachen gibt.
Die Anlage ist wirklich beeindruckend und kann durchaus mit europäischen Garten- und Palastanlagen mithalten, was Größe und Prunk betrifft. Unglaublich, wie viel Arbeit aufgewendet wurde, nur damit die Kaiserfamilie zwei Monate im Jahr der Hitze im Stadtzentrum entfliehen konnte. Die ganze Anlage erstreckt sich um den Kunming See, auf einer Seite geht sie steile und felsige Hügel hinauf, auf dessen Gipfel der Buddha-Tempel steht. Markant sind die mit vielen ineinandergeschachtelten Innenhöfe und die vielen Galerien. Im innern gibt es Ausstellungsräume mit Bronze-, Jade-, Elfenbein- und anderen Arbeiten. Nachdem wir uns zunächst am Ufer umgeschaut hatten, stiegen wir schließlich den Hügel in Richtung Buddha-Pagode hinauf und waren mehr und mehr begeistert. Ich will gar nicht viele Worte machen, schaut euch die Bilder an. Leider war das Wetter sehr dunstig (heute war es glaube ich wirklich Dunst und kein Smog), bei klarem Wetter muß der Blick atemberaubend sein. Nach kurzem Aufenthalt beim Buddha stiegen wir in Richtung Bootsableger ab, wo wir die Fähre über den Kunmin-See nahmen und waren so in etwa zehn Minuten auf der anderen Seeseite an der 17-Bogen-Brücke. Dort umrundeten wir das Inselchen und schauten noch einige Gebäude an, allerdings hatten wir uns im Laufe der drei Stunden einigermaßen sattgesehen, im großen und ganzen ist es ja doch immer das gleiche: Die bunt bemalten Decken, die reich verzierten Dächer und der typische Baustil. Nachdem mich die Mama auf dem Weg zum Klo abgefangen hatte machten wir uns wieder Richtung Heimat.
Auf dem Weg machten wir noch einen Abstecher zum Carrefour (französischer Supermarkt), der in einem großen Einkaufszentrum mit nicht unbedingt Nobelshops, aber doch eher für den europäischen Geldbeutel gedachten Geschäften ausgestattet ist. Trotzdem war es brechend voll, auch der Carrefour war voller kleiner lauter Menschen. Leider gab es auch da keine Frühstücksflocken (aight, Clemi?), muß wohl doch warm chinesisch frühstücken. Wenigstens fand Fabian sein Nutella (oder so ähnlich). Obwohl wir eigentlich schon keine Lust mehr hatten, beschlossen wir, noch auf den Electronic Market zu gehen, der sich direkt um den Carrefour erstreckte und ein wenig zu schauen...wir hatten ja keine Ahnung auf was wir uns da einließen. Den Electronic Market kann man sich folgendermaßen vorstellen: Eine große Straße (2 Spuren in jede Richtung mit - wie auf fast jeder Straße - einer zusätzlichen Spur nur für Fahrräder, die jedoch auch gern von Bussen und Fußgängern benutzt wird), links und rechts große Gebäude. Innen drin gibt es kleine Shops, meist nach Hersteller sortiert, in denen man alles bekommen kann, was Elektronik ist. Preislich zwar ungefähr deutsches Niveau, die riesige Auswahl spricht allerdings für den Markt. Was man an einem Stand nicht bekommen kann, bekommt man garantiert fünf Stände weiter. Und überall versuchen einen kleine Chinesen in ihre Stände reinzuziehen und rufen einem nach:"Sir, Sir...Sony, very good...come, come...Sir...!"
Nach einer dreiviertel Stunde war es uns aber zu anstrengend und mit Zwischenstopp, um Fabians Radlenker befestigen zu lassen und Abendessen in der Mensa (feine Ente für 40 Cent), ging es dann mehr oder weniger direkt ins Bett...das Wochenede war doch eher ermüdend...außerdem wollte ich heute ja fleißig sein.
Den Tag davor - sprich am Samstag - war ich mit Markus in der Stadt. Nachdem ich ihn ein bissl gescheucht hatte, kamen wir als letzte von allen vom Campus weg in Richtung Stadt (no hard feelings Markus ;-) ), allerdings mit den Rädern. Markus hatte das vorgeschlagen und ich fand es eigentlich auch eine gute Idee. Der Haken war nur, daß wir alle Naslang eines unserer Fahrräder reparieren lassen mußten, was allerdings kein Problem ist, da an jeder Ecke ein Bike-Doktor ist. Dadurch haben wir zwar mehr - wenn auch nicht viel - bezahlt, als wenn wir mit der U-Bahn gefahren wären, aber durch Markus Liebe zu kleinen Gässchen auch eine Menge gesehen und Flair und Eindrücke aufgenommen. Alles begann damit, daß ich, nachdem ich Markus bei einer scharfen Bremsung hinten reingerauscht bin, beschlossen habe, meine Bremse austauschen zu lassen. Das hat mich glaube ich 40 Cent gekostet. Bei der Gelegenheit ließ Markus eines seiner Pedale austauschen, was ihn 50 Cent kostete. Zwischendurch guckten und aßen wir immer wieder...einfach herrlich....überall märkte, Fische in Kisten, Krebse auf Fahrrädern, Gemüse, das man noch nie vorher gesehen hat...:-) Nach einiger Zeit begann mein Lenker sich zu verabschieden, ich ließ ihn kurzerhand beim nächsten Bikedoktor festschweißen, da die Schraube schon so ausgelutscht war. Näher und näher ans Zentrum kommend nahmen wir die Route an den Seen (Xihai, Houhai, Qianhai und Beihai) entlang, die so mitten in der Stadt wirklich malerisch sind...siehe Fotos. Unterwegs ließ Markus auch noch sein zweites Pedal erneuern. Da der letzte See schon Teil der Verbotenen Stadt ist, ließen sie uns dort nicht mit den Rädern rein, wir fuhren also direkt zum Platz des himmlischen Friedens. Dort schauten wir uns zunächst das neue Opernhaus an, ein wirklich beeindruckender Bau. Eine riesige Glaskuppel, umgeben von Wasserflächen. Der Eingang ist ein Glastunnel, der unter dem Wasser durchgeht. Leider ist das ganze noch eine Baustelle (bis Dezember sagte der Herr am Eingang) und so mußten wir uns mit dem Angucken draußen begnügen. Allerdings erkennt man an diesem Gebäude sehr gut die Mentalität der Chinesen: Alles möglichst groß und schnell, damit es auf den ersten Blick beeindruckt. Bei näherem hinsehen stellt man allerdings fest, daß sie keine Wand gerade und keine Fuge gleichmäßig machen können...alles ist so lala hingepfuscht. Aber gut sieht es trotzdem aus. Weiter ging es vom Opernhaus vorbei am KFC (Mittagssnack) zum Südtor. Trotz der vielen Menschen auf dem Tian'Anmen Platz war dort so gut wie niemand, dabei gibt es von dort einen schönen Ausblick über den Platz (nur das Mao-Soleum steht im Weg...grummel!) und die Stadt (nur der Dunst stört...grummel again!) und einige interessante Ausstellungsstücke und Bilder, wie das alles früher ausgesehen hat. Stellt man sich das alles im Gesamtzusammenhang vor, noch mit Mauern und Graben (was heute nicht mehr existiert) dann wirkt wirklich alles, was Europa in dieser Hinsicht zu bieten hat wirklich mehr als popelig! Im Tor stürzten sich gleich zwei hübsche junge Damen auf uns (oder vielmehr auf Markus) und erklärten uns alles. Einfach der Hammer, wie offensiv die flirteten...die sind uns nachgelaufen wie die jungen Hunde. Ich bin mir schon jetzt sicher, daß ich das vermissen werde, wenn ich nächstes Jahr wieder in Deutschland bin. Da könnten sich die deutschen Mädels zwei bis drei Scheiben von abschneiden. Vom Tian'Anmen wollten wir weiter Richtung Süden, ich hatte von einem Military-Surplus-Store gelesen, den ich gerne angucken wollte. Wir mußten allerdings feststellen, daß hier ein ganzer Stadtteil abgerissen worden ist, nur um die Stadt olympiafit zu machen. Mit schönen Werbeplakaten sichtgeschützt eingezäunt und an jedem Tor einen Polizisten aufgestellt, der niemanden rein oder fotografieren läßt, werden innen die alten Wohnsiedlungen abgerissen und gepimpt wieder aufgebaut. Einen Eindruck, wie es vorher ausgesehen haben muß erhielten wir auf der anderen Seite der neuen Straße. Aber auch dieses Viertel wird wohl in nächster Zeit abgerissen. Damit die Besucher das Eldend (?!?) nicht sehen müssen, wurde provisorisch alles mit einer dekorativen Mauer verdeckt. Dahinter schlagen aber Bulldozer und Bagger Schneisen für neue Straßen direkt durch die Wohnsiedlungen. Die Häuser sind markiert, aber es wohnen noch Leute dort, überwiegend alte. Bei einem der Fotografierstopps zeigte uns ein Anwohner Ornamente an den Dächern zum Fotografieren...kaum vorstellbar, daß es all dies nächsten Sommer schon nicht mehr geben wird. Umso mehr genossen wir die ganz besondere Atmosphäre der Gässchen.
Als wir den Surplus-Store nicht gefunden hatten und schon am Tiantan waren, beschlossen wir, nun das moderne Beijing anzugucken und fuhren in richtung Dongdan auf der Chongwenmen Neidajie, an der es viele Geschäfte und Einkaufszentren gibt. Einkaufen am Samstag nachmittag in Beijing ist auch kein Spaß: Alles ist voll mit kleinen, lauten, meist weiblichen und wuselden Asiaten, vor den Shops stehen mirkofonverstärkte Marktschreier und hinter den Kassen duzende Meter lange schlangen. Etwas ruhiger ging es in einer Nobelmall zu, in der allerdings auch europäische Preise verlangt werden. Ich holte mir bei Nike einen Korb bezüglich Laufschuhe (???), probierte allerdings beim Jack&Jones Hosen, was Balsam für die Seele war. Direkt stürzten sich fünf Verkäuferinnen auf uns, sagten mir, wie gut ich in dieser und jener Hose aussehe und brachten Klamotten ran, daß es fast kein Spaß mehr war. Leider konnte nur die Hässlichste von ihnen Englisch :'-(
Danach wollten wir zum Donghuamen Nachtmarkt (heißt so, weil er von 15 bis 22 Uhr geht), in erster Linie, um endlich zu abend zu essen. Auf dem Weg blieben wir allerdings bei der Olympiaparade hängen und fanden - obwohl wir in der Mall gesagt bekommen hatten, daß es weit und breit keinen anderen gäbe - tatsächlich einen Nike-Store, der Laufschuhe hatte. Zwar kein Superschnäppchen, aber 75 statt 100€ ist doch schonmal Geld gespart. Und meine Knie möchte ich auch ungern gefälschten Laufschuhen für 20€ anvertrauen :-)
Und dann mussten wir ja auch noch zurück...unterwegs endlich abendessen, zwei Mann essen satt, jeder ein Bier und noch ne Flasche Wasser: 25 Yuan (2,50€), da kann man glaube ich nichts sagen. Der Rückweg ging dann doch recht flott und nach einer Dusche und einem Bier mit den Jungs sank ich zufrieden ins Bett und spürte gottseidank meinen wehen Hintern und meine wunden Handballen nicht mehr.
Der Freitag ist schnell erzählt (muß auch, hab keinen Bock mehr auf tippen): Morgens waren wir zur Kursanmeldung, leider mußte ich meine Pläne fast komplett über den Haufen werfen, da die Kurse entweder zu wenig Credits brachten, erst nächstes Semester (das ich mir für die Studienarbeit freihalten wollte) stattfinden oder schon voll waren. Trotzdem habe ich glaube ich einen annehmbaren Studienplan zusammengestellt, mach mich wirklich nicht tot, allderdings ist er auch nicht so lax wie ich angenommen hatte. Danach fuhren wir in die Stadt und liefen von Fuxingmen (westlich des Zentrums) richtung Tian'Anmen. Leider hatte unsere Gruppe die kritische Masse überschritten und wir kamen nur sehr schleppend voran, da immer jemand essen, pinkelt, Geld tauschen, was gucken, was kaufen, pupsen, schnacksen, ... mußte. (Ist nicht bös gemeint Jungs!) Das Wetter wurde immer schlechter und schließlich regnete es ganz ordentlich, so daß die anderen pünktlich am Tian'Anmen beschlossen, wieder heimzufahren. Mir ging es aber - muß ich ja zugeben - ein wenig ums Prinzip, war ich doch gekommen, um den Tien'Anmen anzugucken. Und das tat ich dann auch, trotz Loch in der Schuhsohle (nochmals heißen Dank, I-Punkt!). Ich hielt es eine knappe Stunde aus, danach war mein linker Fuß mehr als naß und ich hatte den Platz einmal umrundet. Leider ist er im Moment nicht so beeidruckend und weit, wie er meiner Meinung nach sonst sein könnte, da schon überall irgendwelcher Kappes und Tribünen für Olympia aufgebaut werden. Auch das Mao-Soleum war geschlossen.
Ja, das war es jetzt aber wieder von mir...möchte noch anmerken, daß ich mittlerweile auch ein chinesisches Handy habe, SMS aus Deutschland scheinen nicht anzukommen, aber wer mich günstig mit Vorvorwahl mal anrufen möchte, kann die Nummer gerne haben. Alternativ kenne ich mittlerweile auch meine Festnetznummer.
So, I'm out!
Sonntag, 16. September 2007
Endlich was gesehen von der Stadt
Veröffentlicht um
15:23
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