Freitag, 28. September 2007

SCHLAND!!!

So liebe Freunde der seichten Unterhaltung, ein neuer Bericht von Yours Truly!
Nach einem herrlichen Chinesischkurs mit dem sauwitzigen Pakistani und einem Mittagessen mit der holländischen Russin machten wir uns auf den Weg zur Beijing Railway Station. Mit allem Nötigen bepackt stiegen wir in unseren Zug, der uns zu "unseren Mädels" zum Fußball nach Tianjin bringen sollte. Der Bahnhof ist riesig, überall ist die Hölle los und es kommt ein wenig Flughafenstimmung auf, mit Gepäckdurchleuchten und nur-mit-Fahrkarte-auf-den-Bahnsteig. Am Bahnhof sahen wir auch schon andere Deutsche mit Fußballtrikots. Da das Wetter sehr heiß war, mußten wir die ganze Zugfahrt unseren Durst stillen und erfüllten so das Klischee der biertrinkenden Deutschen. Jan nutzte die Zeit zum Ruhen, allerdings hielt er auch im Schlaf stets an seinem Bier fest, versteckte es sogar unterbewußt, als ich mir ein Späßchen über herannahende chinesische Polizisten erlaubte. Andre und Christoph eigeneten sich gleich zwei junge Damen an, um ihnen bei den weiteren Reiseplänen zu helfen. Die Fahrkarten zurück nach Beijing bzw. weiter nach Tsingtao hatten wir nämlich noch nicht, was mit dem komischen chinesischen Zugfahrkartenkaufsystem zusammenhängt. Ich amüsierte mich den Großteil der Zugfahrt über den kleinen Jungen, der mir gegenüber saß (siehe Bilder) und mords Stimmung machte. Wirklich zum Fressen. Vor allem schaufelte der kleine Kerl ordentlich in sich rein: Zunächst eine Kiwi, dann zwei Bananen und dann noch Kastanien, die es hier übrigens nicht nur zur Weihnachtszeit überall gibt. Der Schaffner und unsere Mitreisenden lehnten unsere Trinkeinladungen dankend ab...komisch, um halb vier Uhr nachmittags...! Zwischendurch mußte das Kind gegenüber noch strullen und wir stellten fest, daß dem kleinen "Jungen" der Schniepel fehlt...war wohl doch ein Mädchen :-). Die Mutter holte schnell den Mülleimer und wollte ihr Kind schon drüberhalten, gottseidank schritt aber der Schaffner rechtzeitig ein...da konnte ich auch echt drauf verzichten!
In Tianjin am Bahhof stellten wir uns dann erstmal an zum Fahrkartenkauf, ca. 40 Meter Schlange an zehn Schaltern. Jan verschwand mit den Mädels, nur um zwei Minuten später wieder aufzutauchen und sagte:"Ich brauch Geld...schnell, schnell!". Die Mädels hatten tatsächlich was gedeichselt und so bekamen wir unsere Fahrkarten nach nur fünf Minuten. Unser gesamtes Verhandlungsgeschick war dann gefragt, als es um die Taxis zum Hotel ging. Kaum waren wir auf dem Bahnhofsvorplatz, stürzten sich die Taxifahrer auf uns und machten uns Angebote, alle allerdings dreist hoch. Wir einigten uns dann auf 60 Yuan für beide Taxen (wir waren ja zu acht...oder neunt..?!?). Die Fahrt durch Tianjin war auch interessant, merkt man doch, dass dort kein Olympia stattfinden wird. Smog hoch drei, alles wahnsinnig dreckig, aber wieder eine Riesenstadt. Auch dort wird überall gebaut.
Am Hotel angekommen wollten die Taxifahrer doch wieder mehr Geld, wir ließen uns aber nicht beirren und einer der beiden kam schließlich doch noch zur Räson (es war wohl das berühmte Böser-Taxifahrer-guter-Taxifahrer-Spiel). Am Hotel dann die nächste Überaschung: Von unseren Reservierungen und dem bereits gezahlten Deposit wußten die Damen an der Rezeption nichts, Internet gab es auch nur nach einigem Hin- und Her, es trug aber auch nicht zur Erhellung bei. Wir buchten also die Zimmer regulär (sie hatten noch reichlich Platz...gerade fällt mir ein...wir waren sieben!), es gab aber wieder Komplikationen, da Fabian damit gerechnet hatte, daß sein deutscher Personalausweis ein ausreichender Ersatz für Reisepass inklusive Visum ist.
Als auch diese Hürde genommen war kamen wir endlich auf die Zimmer, alles sehr schön und fast ein bisschen nobel, nicht schlecht für 25 Euro das Zimmer :-) Nach kurzem Frischmachen und Aus-/Umpacken ging es wieder runter, ab in die vorbestellten Taxen und ab zum Stadion. Auf dem Weg sahen wir wieder viele Deutsche in Trikots und Taxen, aus denen die Deutschlandflagge wehte. Das Stadion ist sehr beeindruckend, kann sich ja jeder auf den Bildern angucken. Wir saßen nicht im "deutschen Block", sondern inmitten der Chinesen. Bier und Bratwurst gibt es übrigens nicht in chinesischen Stadien, ein komisches Volk, und Weißbrot und Cola waren nur ein schwacher Ersatz. Kaum saßen wir, scharten sich die ersten Chinesen um uns und fotografierten, besonders Fabian hatte Glück. Die Mädels neben ihm konnten gar nicht mehr aufhören, ihn zu fotografieren. Spätestens, als wir unser extra angefertigtes Transparent ("China, wir rächen euch") ausrollten und unter Andres kundiger Anleitung zu singen begannen, hatten wir die Crowd auf unserer Seite. Mit ein bisschen Animation ließen sich die Chinesen um uns mitreißen und klatschten zumidest zu Humpta-Humpta, Ein Tor, Deutschland und wie diese feinen Grölgesänge alle heißen. Als wir dann "Deutschland, Deutschland, ..." (德国) auf chinesisch riefen, gab es kein Halten mehr :-).
Der absolute Knaller war dann die Halbzeitpause: Massen von Chinesen stürzten sich auf uns, um sich mit uns fotografieren zu lassen, immer und immer wieder mußten wir freundlich lächeln, das Victory-Zeichen machen und Asiatinnen in den Arm nehmen...das Leben ist hart :-). Grob geschätzt sind wir jetzt auf 300 chinesischen Fotos und hatten nach der Pause sogar einige Anhänger, die unser Transparent hielten. Das Spiel gewannen wir übrigens 3:0, nach einem guten Start wurde es zwischendurch etwas mau, nach dem 1:0 war der Knoten aber geplatzt. Zwischendurch kam eine Ansage, daß 54000 Leute im Stadion seien, was aber ein temporäres Maximum darstellte, da viele Leute erst während der ersten Halbzeit kamen und während der zweiten schon wieder gingen. Wir hatten aber einen Arsch voll Spaß! Auch auf dem Weg aus dem Station gab es noch einige Fototermine und Liebesbekundungen.
Zunächst versuchten wir, ein Taxi zu bekommen, was aber nicht klappte und gingen dann erstmal zu KFC um zu essen, nachdem wir uns gegen eine Massage mit "happy ending" entschieden hatten ;-). Beim Essen lernten wir dann die Videoleinwandbedienerin kennen, die Fabian direkt ins Hotelzimmer einlud (sie erklärte mit großen Augen, daß sie so spät bestimmt nicht mehr in ihr Wohnheim reinkommt), daraus wurde aber nix. Wir holten uns noch ein paar "Kulturtipps" für den kommenden Tag und fuhren dann wieder ins Hotel, teils direkt, teils noch am "Scarlet" vorbei. Im Hotel dann erstmal duschen (waren wir durch den einsetztenden Regen einigermaßen nass geworden), nachtrinken und nen schönen Tee für die Stimme. Mit russichen Soaps und französischen Actionfilmen schliefen wir bald zufrieden ein.
Am nächsten Morgen dann die Überaschung: Der ganze Smog, der am Vortag noch in der Luft hing war durch den Regen ausgewaschen worden und lag nun als ölig-schlammiger Schleim auf den Straßen...bah! Da das Abflusssystem auch suboptimal ist, waren die Straßen teilweise fies überflutet und man musste wirklich achtgeben, wo man hintrat. Das Frühstück - nicht im Hotel - fiel unterschiedlich aus, Moritz ging mutig in ein Büdchen, Fabian und ich hielten es eher konservativ und holten uns Muffins und O-Saft im Supermarkt. Danach verabschiedeten wir zwei uns von den anderen (sie fuhren ja weiter nach Tsingtao) und fuhren noch ein wenig in die Stadt. Fabian kaufte Laufschuhe und nach McDonalds ging es wieder zum Bahnhof. Während wir auf den Zug warteten wurden wir von aussteigenden Chinesen begafft wie die Zootiere.
Die Rückfahrt - auf der wir entgegen unserer Erwartungen nicht stehen mussten - verbrachten wir ruhend, nur unterbrochen von von einem Bahnangestellten, der auf einem mit rotem Samt bezogenen Tablett allerlei Mao-Devotionalien verkaufte: Goldene Karten mit dem holografischen Konterfeit, Zippos, Rückspiegelmobiles..., die einige Chinesen tatsächlich kauften (meistens Chinesen für ihre Chinesinnen ;-) ) Der Zug war etwas komfortabler als der auf der Hinfahrt, kostete allerdings auch das Doppelte (24 Yuan).
Zurück im heimatlichen Beijing, das wärmer und luftmäßig auch merklich angenehmer war, gingen wir direkt in die U-Bahn, in der ein chinesischer Großvater die Gelegenheit nutzte und seiner ca. vierjährigen Nichte zeigte, daß wir viel größere Nasen haben!
Das war unser herrlicher Ausflug...ein voller Erfolg.
Eine Notiz noch am Rande: Das Klima in Beijing (oder dem Trinkwasser zugesetzte Hormone???) sorgt dafür, dass ich nun in die letzte Phase der Pubertät eintrete und tatsächlich Haare auf der Brust bekomme! Scheißdreck!!! Wenn also jemand ein paar gute Tipps zur Brustenthaarung hat, bitte melden. Mein spontaner Gedanke ist ja Wachsen, das stelle ich mir aber besonders an den Nippeln etwas barbarisch vor!
Ceterum Censeo Carthaginem Esse Delendam!

1 Kommentar:

mykey hat gesagt…

Dann können wir vielleicht auch Bart-Wettbewerb machen wenn du wieder kommst. Ich hoffe nur, dass du dann nicht so aussiehst (^_^)

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