Donnerstag, 27. September 2007

So ein Theater

Hallo allerseits.

Jetzt komme ich mal dazu, euch das Neueste zu berichten. Nachdem ich erst keine Lust hatte und dann mein Internet nicht ging. Gestern ging es auf Einladung von weiß-ich-wem in das Chengde Theater. Nach eineinhalb stündiger Busfahrt durch den mittäglich gestauten Verkehr in Beijing, die ich zum großen Teil schlafend verbachte, kamen wir am Theater an und fanden auf unseren Sitzen bereits „Präsenttüten“. Das Theater ist ein wenig anders als man es aus Deutschland kennt, direkt an der Bühne stehen zunächst Stühle und Tische für die VIPs, die während der Vorstellung auch essen und trinken. Dahinter sitzt der gemeine Pöbel – unter anderem wir – auf kinomäßigen Sesseln. Da ja der Wahlspruch gilt „there is no such thing as a free lunch“, mussten wir erst einige Eröffnungsreden über uns ergehen lassen und merkten bald, warum wir für Umme ins Theater gekommen waren: Die ganze Geschichte war eine Werbeveranstaltung für Studieren in China, ein Haufen Botschafter war eingeladen (vorne, mit Essen) und – quasi um das Theater zu füllen – ein Haufen Schüler und Studenten, teilweise aus dem Ausland. Erschreckend fand ich, wie niedrig die Schmerzgrenze bei einigen unserer europäischen Mitbürger liegt, wenn es um Kleidungsgeschmack geht, selbst im Theater. Nicht, dass wir uns besonders fein gemacht hatten, aber wenigstens waren unsere Bäuche größtenteils in erträglicher Größe und alle bedeckt und die Haare nicht chemie-fünf-farbig…aber jedem das seine. Das Theater war wie ich fand sehr interessant. Uns wurden drei kleine Stücke präsentiert: The Crossroads, The Autumn River und Havoc in Heaven. Dem Interessierten Leser sei hier die eigene Recherche nahegelegt. Nur so viel sei gesagt (@Clemi besonders): Havoc in Heaven ist ein Teil aus dem in China berühmten Roman „The Pilgrimage tot he West“, der – wie mir gesagt wurde – die Grundlage für „Dragonball“ liefert.

Das chinesische Theater kommt mit wenig Bühnenbild und kaum Requisiten aus, abgesehen von Schwertern, Stäben, etc., die die Schauspieler mit sich führen. Was am Bühnenbild gespart wird, wird jedoch offenkundig in die Kostüme und das Makeup investiert, beides sehr aufwändig und traditionell, ersteres aus Seide mit viel Schnickschnack und Stickereien. Die Stücke beinhalten viel Akrobatik und „Marial Arts“ mit Saltos, Rollen und so weiter. Auch humoristische Elemente fast bis hin zum Slapstick werden geboten. Allerdings haben die Kampfszenen teilweise ihre Längen.

Besonders beeindruckend war das zweite Stück. Es ging um eine Junge Dame, die an einem Bootsanleger ihrem Liebsten hinterhereilt. Hier wurde das Boot und seine Bewegung über die Bühne durch das Schauspielerpaar so perfekt gespielt (mit Schaukeln, Ablegen, Rudern, Stromschnellen und allem, was halt dazugehört), dass es eine wahre Pracht war. Das dritte Stück wurde schließlich gekrönt von einer – etwas länglichen – Schlacht des Affenkönigs (@Clemi J ) gegen die himmlischen Heerscharen! Danach allerdings wieder 2 Stunden im Bus zurück durch die feinste Rushhour und danach noch Vorlesung. Einzig die viel zu laute Lautsprecheranlage, die die Gesänge besonders der Damen auf nahezu unerträgliches Maß verstärkten, ist zu bemängeln.

Heute trafen wir uns dann Nachmittags mit HoBo, er hatte für uns gedeichselt, dass wir am Beijing Marathon am 21.10. erstens noch teilnehmen können und zweitens auch keine $100 Startgebühr zahlen müssen, da wir nun einfach über die Uni angemeldet sind. Wir fuhren ins Klinikum, waren allerdings beiweitem nicht die einzigen, die einen Checkup brauchten. HoBo erzählte uns, dass allein von der Uni 3000 Leute teilnehmen würden. Da wir aber alles durchtrainierte hübsche Europäer waren, durften wir uns auch dort anstellen, wo sonst nur die Mädels anstehen durften J. Der Checkup war allerdings weniger aufwändig als wir dachten, lediglich Puls- und Blutdruckmessen und ein EKG. Der Knaller beim EKG war Till, der hinter dem Vorhang verschwand (war ja für Mädels, bei den Jungs konnten alle zugucken) und erstmal aufschrie. Als wir schon – sehr amüsiert – fragten, was er denn mit den Krankenschwestern triebe, antwortete er:“Die haben sich gerade auf mich draufgesetzt!“…einfach herrlich, ich konnte mir bei meinem EKG das Lachen kaum verkneifen. Auf jeden Fall haben wir alle Bestanden und jetzt müssen wir nur noch trainieren, damit wir bis zum 21. fit sind, auch wenn wir nur die halbe Distanz laufen.

Eine Anmerkung noch: Heute ist Mid-Autumn oder Moon Festival. Im chinesischen Kalender ist das der Vollmond im achten Monat des Jahres. Traditionell trifft man sich, auch Familien halten große Treffen an, und man betrachtet den Mond und essen Mooncake und runde Früchte. Es ist eines der wichtigsten Feste für die Chinesen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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