Freitag, 5. Oktober 2007

Der Anti-Mongolische Schutzwall

Gumoie, wei da? Es ist Freitag morgen, es regnet und ich habe keine Lust zu lernen, also schreib ich euch was :-)
Gestern war ich mit Georg in Simatai an/auf der Großen Mauer...einfach supercool. Vorgestern abend waren wir noch mit Ross Billiard spielen und sind dann aber zeitig ins Bett, wir wollten ja was vom Tag haben. Ich war zwar etwas zu spät (fünf Minuten), allerdings war ich da nicht der einzige. Nachdem ich mein Dornröschen wachgeküsst hatte (selbstredend im übertragenen Sinne!), einem herrlichen Frühstück (French Toast, Spiegelei mit Wurst und süßer Kaffee) und nachdem wir uns gegenseitig mit den verschiedenen Toren auf dem Campus reichlich verwirrt hatten, waren wir endlich in der U-Bahn nach Dongzhimen. Dort ist nämlich der Busbahnhof, an dem die Busse richtung Mauer ablegen. Kaum kamen wir aus der U-Bahn, wurden wir schon angequatscht von wegen Minibus. Der Kerl war echt vorbereitet, ein Zettel mit den verschiedenen Routen und Zielen und verschiedene Sätze zum verhandeln ("because oil prices are very high", "expressway fee", ...). Zunächst wimmelten wir ihn ab, dann erschien es uns aber gar keine schlechte Idee, einen eigenen Fahrer zu haben, der direkt fährt, keine Haltestellen zwischendrin hat und dort auch auf uns wartet und uns wieder zurückfährt. Allerdings wollte er 480 Yuen haben, ich bot ihm 250 und wir trafen uns schließlich in der Mitte...also bei 400 (das Handeln liegt mir im Blut). Wir machten noch aus, dass wir erst bezahlen, wenn wir wieder in Beijing sind und er pfiff dann einer Frau mit einem kleinen Jungen
, die uns zu unserem herrlichen roten Kühlschrank geleitete. Keine Gurte, keine Kopfstützen und der Kleene turnt überall rum...Safety first halt. Bald stellte sich heraus, dass wir wohl die Rechts-auf-dem-Standstreifen/Fahrradweg-überhol-Queen von Beijing erwischt hatten, aber sie machte gutes Tempo und hupte nur wenig. Nur wenn ein Polizeiauto in Sicht kam, hielt sie sich den Gurt vor den Bauch.
Die 120 Kilometer, für die wir ca. zweieinhalb Stunden brauchten (eineinhalb davon, nur um aus der Stadt zu kommen), nutzten wir, um ein wenig Chinesisch zu lernen und dann eher, um uns mit dem Kleinen anzufreunden. Ein süßes kleines Energiebündel. Wir malten, bastelten, er spuckte Wasser, das ihm nicht schmeckte einfach auf den Boden, schmiss seinen Müll einfach aus dem Fenster...das volle Programm halt. Mama verhielt sich eher ruhig und schritt nur ein, wenn der Kleine gar zu sehr rumturnte. Die Route ging erstmal ewig aus Beijing raus, dann durch Myan und dann "über Land" in die Berge. Erinnert ein wenig an Bosnien oder ähnliches, überall Gästehäuser/Restaurants/Hotels und Obststände an der Straße, überladene LKWs und andere abenteuerliche Gefährte. Vor den Gästehäusern stehen immer Leute und winken mit einem roten Fähnchen. Die Berge in China sind ganz eingenartig geformt, irgendwie sieht hier alles "zerknitterter" aus und ist spärlicher bewachsen. Zwischendurch hielt unsere Fahrerin um Kippen und Wasser zu kaufen und dann nochmal kurz vor der Mauer (schon geil, wenn man sie durch die Berge sieht) und wir aßen im "Restaurant" ihrer Familie. Die haben ein ganz schönes Geschäftchen mit uns gemacht, Cola für 10 Yuen, aber gut wars.
Dann waren wir endlich in Simatai, wo uns ein großes Touristenzentrum erwartete, aber alles gut organisiert, fein beschildert und ordentlich. Nach Pipipause und Kartenkaufen gingen wir zur Seilbahn, hätten zwar auch hochlaufen können, hatten aber mit der Rennfahrermama ausgemacht, dass wir in drei Stunden wieder da sind. Die Seilbahn war fast ein wenig abenteuerlich, erstens weil sie ihre besten Tage wohl schon lange hinter sich gelassen hat, zweitens weil alles voller Wanzen ist, wir übrigens auf der ganzen Mauer. Die Fahrt war eher mittelspektakulär, die Sicht war nicht so toll da es sehr dunstig war aber wir freuten uns, über übel zugerichtete Hügel (die augenscheinlich gerade aufgeforstet werden) der Mauer immer näher zu kommen. Simatai es der ursprünglichste der restaurierten Mauerabschnitte und der am wenigsten von Touristen überlaufene. Die Mauer läuft hier mit ca. drei Meter Breite (Weg oben) auf einem schmalen Grat. Jede Steigung - und sei sie noch so steil - wir von der Mauer mitgemacht und alle paarhundert Meter steht ein Wachturm. Beeindruckend ist nicht unbedingt die Größe der Mauer oder der Türme sondern vielmehr ihre Lage auf dem Kamm, der an sich ja schon ein schwer zu überwindendes Hindernis darstellt...wirklich cool!
Das letzte Stück zur Mauer gingen wir dann zu Fuß über einen Serpentinenweg, der uns nochmal richtig zum "Saften" brachte. Unser Spaziergang auf der Mauer ist nicht so spektakulär zu lesen, wir gingen zunächst nach rechts, knippsten immer und immer wieder, gingen durch die Wachtürme (alle gleich, alle nur ein Stockwerk, alle leer bis auf die Wanzen), kamen am Ende an und drehten wieder um. Stellenweise ist die Mauer schon sehr abenteuerlich, immer ohne Geländer, teilweise geht es schon richtig runter. Traumhaft sind auch die Stufen, von denen keine zwei gleich sind...volle Konzentration!
Wir gingen nicht den Weg wieder zurück, den wir gekommen waren sondern gingen am Serpentinenweg vorbei und weiter die Mauer entlang bis zu einer Hängebrücke, die über einen Fluß führt und den Anfang des nächsten Mauerabschnittes markiert. Dort überlegten wir uns noch kurz, ob wir für den Abstieg die Hardcore-Seilbahn nehmen sollten, waren dann aber doch zu knickrig (oder zu ängstlich) und nahmen den schön angelegten, wenig genutzten aber dauerbeschallten Weg ins Tal. Dort wartete (zweieinhalb Stunden hatten wir ohne Mühe rumgebracht) unsere Fahrerin und wir konnten angenehmerweise gleich los.
Kaum waren die Straßen wieder etwas komfortabler, knackten wir drei weg, Georg und ich aber wohl nicht so bequem wie der Kleine, der sich einfach auf dem Beifahrersitz zusammenrollte. Wieder wach und mittlerweile in Myun angekommen wunderten wir uns etwas, als die Dame auf einmal rechts in ein Wohngebiet abbog, anscheinend musste noch der Rest der Familie abgeholt werden :-) Wir trafen unseren Verhandlungsparter vom Morgen wieder und lernten auch den zweiten Sohn kennen (zwei Kinder...die müssen gut an uns verdient haben, dass sie sich die Strafe leisten können ;-) ). Nachdem die "Dorfmädels" fies mit dem Finger auf mich gezeigt hatten und fies dabei gelacht hatten und alle auf dem Klo waren, ging es weiter. Der Verkehr war nicht mehr so flüssig wie am Vormittag und so dauerte die Fahrt etwas länger. Wir machten aber ganz gut Smalltalk mit dem großen Sohn (21 Jahre) und kriegten auch chinesisches Familienleben mit. Außerdem stellten wir fest, dass wir wohl all-inclusive gebucht hatten und wurden reichlich mit Keksen und Kastanien verköstigt.
Trotzdem waren wir ganz froh, als wir wieder da waren. Da wir mittlerweile einigermaßen gerädert waren, zahlten wir auch die 400 Yuen, ohne nochmal Verhandlungen zu versuchen und schlängelten uns durch die U-Bahn. Nach Abendessen beim Mäckes und Einkaufen ließen wir dann den Tag mit einer heißen Dusche und kaltem Bier ausklingen. Allerdings ist von Harbin, Diamond Blue und Tiger Lager wirklich wirklich abzuraten!!!

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