Nach kurzer Pause geht jetzt mein letzter Bericht weiter: Nachdem alles etwas kompliziert war und jeder andere Vorstellungen und Ansichten hatte, haben wir (Fabian, Gero, Daniel, ich) es tatsächlich geschafft und alle(s) unter einen Hut gebracht und haben Flüge nach Shanghai gebucht. Los ging es letzten Donnerstag, mitten in der Nacht, d.h. um zehn vor sechs. Obwohl ich der war, der sich später treffen wollte, war ich um 5:50 der einzige, der in der Kälte vor dem Gebäude stand. So gegen 5:55 machte ich mir dann Sorgen und fing an, mal in die Runde zu telefonieren. Fabian und Daniel waren schon wach, nur Gero, der so dafür war, sich möglichst früh zu treffen, hatte verschlafen. Man muß es ihm allerdings lassen, daß er es dann in Rekordzeit geschafft hat, sich fertig zu machen und runter zu kommen. Dann also ab ins Taxi und Richtung Flughafen, trotz ein wenig Stau lief alles glatt, einchecken usw. alles ohne Probleme. Als wir dann am Gate saßen, beschloss ich, noch schnell was zu Frühstücken, das einzige, was in der Nähe in Richtug Frühstück ging war Subway's, also her damit. Während die Junge Dame mir mein Brot schmierte klingelte mein Handy und Daniel war dran:"Komm schnell, die machen voll den Stress hier, wir müssen in den Flieger..." Ich also fett beeilt, nur um am Gate zu sehen, daß Daniel und Gero die einzigen sind, die Stress machen/haben und daß die 100 anderen Leute, die auch noch in den Flieger sollen noch in aller Seelenruhe da sitzen...war ja auch noch eine halbe Stunde bis zum Start. Der Flug war unspektakulär, nur das Frühstück war ein wenig fies (siehe Bilder), die chinesischen Mitreisenden haben es aber mit großem Appetit gefuttert. Mein Highlight waren die warmen Croissants, die nach dem Bohnenbrei gereicht wurden.
Und dann endlich in Shanghai...Gepäck holen ging schnell, das Band lief schon, bevor wir überhaupt da waren...das ich das noch erleben darf :-) Und es war warm!!! Nachdem wir uns in Peking nahe 0° bewegt hatten, gab es in Shanghai 20° und Sonnenschein...ein Traum. Ab ins Taxi und zum Hostel, da die erste Überaschung, allerdings positiver Art: Das Zimmer ist tatsächlich so nobel, wie auf der Homepage gezeigt. Echt modern und großzügig ausgelegt, könnt ihr ja auf den Bildern sehen. Zwei Sachen gab es allerdings zu bemängeln: Die Dusche hatte nur eine Glastür und das Klo hatte gar keine Tür, sondern nur einen Duschvorhang. Ich schätze, das ist immer noch besser als andersrum, aber etwas gewöhnungsbedürftig. Wir legten unser Gepäck ab, freundeten uns mit den Damen vom Empfang an und machten dann direkt in die Stadt in Richtung People Square, Nanjing Lu und Bund. Nachdem wir uns Metrokarten gekauft hatten und mit der superschnellen shanghaier U-Bahn gefahren waren, war unser erster Ausstieg "Peoples Square". Sofort fanden wir uns mitten im prallen Leben wieder, alles voller Leute, eingerahmt von Hochhäusern und mit prallgefüllten Straßen. Dort, wie auch immer wieder während der vier Tage, fühlte ich mich sehr an New York erinnert. Wir guckten und staunten und gingen zum Städteplanungsmuseum, das uns empfohlen worden war von unseren Leuten, die vorher schon in Shanghai waren. Direkt am Eingang stand ein großes Modell, das zeigt, wie Shanghai zur Expo 2010 aussehen soll, wir waren allerdings ein wenig enttäuscht, da die anderen so von dem Modell geschwärmt hatten, wir es aber für ein wenig zu mickrig für 4 € Eintritt hielten. Wir beschlossen aber, dem Museum noch eine Chance zu geben und gingen noch in die anderen Stockwerke, das erste nicht so wirklich spannend, halt die Geschichte Shanghais aus städteplanerischer Sicht. Im zweiten Stock sahen wir dann allerdings, warum alle so geschwärmt hatten: Ein riesiges Modell von Shanghai (siehe Bilder)! Einfach cool. Wer da wohl gebastelt hat...und wie lange?!? Im vierten Stock waren dann noch Modelle des neuen geplanten Flughafenterminals und des geplanten Tiefseehafens mit angegliederter Stadt...und alles natürlich environmentally friendly...da haben sie sich was vorgenommen bis 2010!
Nach dem Museum gingen wir über die Nanjing Lu in Richtung Bund. Wir aßen etwas abseits der Nanjing Lu zu Mittag, bei der wohl unfreundlichsten Kellnerin, geschmeckt hat es trotzdem. Die Nanjing Lu selber ist wohl am ehesten mit der Hauptstraße in Heidelberg zu vergleichen, nur mit noch mehr Touristen, noch mehr Trash und noch mehr Leuten, die einem etwas andrehen wollen. Ein wirkliches Highlight ist sie aber erst im Dunkeln, wenn alle Geschäfte ihre Leuchtreklamen einschalten. Dort hatten wir auch erste Kontakte mit den netten "Sir, wanna Watch, Rolex...?" und "Lady Massage" Menschen. Je näher wir an den Bund kamen, desto mehr wurden es und desto ausgefeilter wurde auch das Sortiment: Rollerskates, Blinkdingsies, Gummiflummies, Kreisel, Hundchen, ... . Und endlich standen wir vor der Weltberühmten Skyline von Shanghai, mit Pearl of Asia, JingMao Tower und "das mit dem Griff". Zum Flair trägt noch bei, daß man im Rücken die alten Gebäude der Handelsgesellschaften hat und daß auf dem Pudong mal die Hölle los ist. Schiffe in allen Größen und aller Art sind am "wuseln" mein Highlight war der große Frachter, der er sich nicht nehmen ließ, immer wieder sein Horn zu betätigen. Einfach geil. Nach ettlichen Fotos gingen wir den Bund erst in Richtung Norden bis zum Ende und dann wieder zurück in Südliche Richtung. Sehr viel Spaß mit den Straßenhändlern hatte vor allem Daniel, der ihnen immer auf chinesisch sagte, daß ich sehr interessiert an Uhren sei. Ich könnte ihm ja böse sein, da ich aber so viele Sprüche über seine "Gesichtsbeulenpest" gemacht hatte, war es glaube ich nur fair :-).
Auf dem Bund trafen wir auch die andere Gruppe aus Aachen wieder, die Welt ist halt doch klein. An drei der vier Tage in Shanghai habe ich zufällig Leute aus unserer Gruppe getroffen...tststs. Und auf dem Bund gab es Becks...einfach herrlich!
Danach dann zurück ins Hostel, kurz frischmachen und dann in die French Concession. Abendessen gabs beim Dönermann, war gut aber klein, Gero schwärmt heute noch von seinem Wein, den er dort getrunken hat.
Am nächsten Tag sind wir mittelfrüh aufgestanden und dann wieder zum People's Square, diesmal allerdings die Nanjing Lu in die andere Richtung genommen. Erster Punkt der Tagesordung war der Besuch des Vogelmarktes, der in meinem Reiseführer als riesiger Haustiermarkt angepriesen wurde. So groß war er aber dann doch nicht, aber ganz interessant, alles voller Grillen (hier ein beliebtes Haustier) und Schildkröten, riesige Fischgeschäfte mit Aquarienfischen, da geht einem das Herz auf. Aber auch Leguane, Eidechsen, Schweine, Hamster, Katzen, Hunde, Hasen und was es sonst noch so alles gibt. Am besten guckt ihr euch das auf den Bildern an. Vom Haustiermarkt sind wir dann einen Snack futtern gegangen und dann weiter die Nanjing Lu runter. Je weiter wir kamen, desto nobler wurde es, da kann man wirklich Geld lassen für Klamotten. Nach einem kurzen Rundgang um das Shanghai Exibition Center (ehemals Palast der Chinesisch-Russischen-Freundschaft, heute durch die Architektur noch zu erkennen) sind wir dann zum Jing'an Si, einem schönen Tempel direkt inmitten der Wolkenkratzer. Fabian zeigte uns seine Münzwurfskills und wird jetzt wahrscheinlich ewige Glückseeligkeit haben und Gero zerbrach seine Räucherstäbchen. Danach trennten wir uns, die Jungs wollten im Pearl of Asia abendessen, mir war das aber zu teuer. Ich ging vorbei am Palast der Kinder und durch die French Concession zum Sun-Yatsen-Haus. Wie ihr ja alle wißt war Sun Yatsen der erste Präsident der Republik China. Seit diesem Besuch weiß ich, wie mein Haus mal aussehen soll...voll cool...Weiße Wände, dunkle Hölzer, klare Linien und helle Stoffe. Ich war auch der einzige in dem Haus (abgesehen von Security an jeder Ecke) und hatte fast das Gefühl, daß jederzeit das Hausmädchen kommt und mich zum Tee bittet. Hinter dem Haus ein Rasen, bei dem Clemens das Herz aufgegangen wäre. Danach bin ich über den Fuxing Park (der allerdings gerade renoviert wird) zum Gründungshaus der KP gegangen, hatte zwar schon zu aber ich habe es mir von außen angeguckt. Die ganze French Concession ist so schön, alte Häuser, Bäume an den Straßen, alles quirlig mit Leben. Immer wieder alte Häuser, an die sehr modern aber äußerst passend angebaut worden ist...vor allem bei Nacht schön anzusehen. Nach einem kleinen Abendessen setzte ich mich an den Bund und schaute noch ein wenig dem Lichterspiel der Bürotürme Pudongs zu.
Danach bin ich dann zurück ins Hostel und hab mich umgezogen und bin dann wieder in die Stadt, erst kurz den Jungs hallo sagen und dann mit Leuten aus der anderen Gruppe ins Attica, einer Disko direkt am Bund im 11. Stock auf dem Dach eines Bürogebäudes. Der Blick nach Pudong war nicht zu toppen, das Klientel da waren überwiegend westliche Kids aus offensichtlich gutem Hause.
Am nächsten Tag haben wir eine ruhige Kugel geschoben, erst zum Yufo Si, der ganz in der Nähe unseres Hostels lag, dort gucken und Tee probieren, dann in die Altstadt, bzw. der Bereich in dem sich die Chinesen aufgehalten haben früher, zwischen English und French Concession. Am Anfang waren wir richtig tief drin im chinesischen Leben, bald wandelte es sich aber in ein Touristen-Disney-Land mit haufenweise Ramsch zu kaufen. Das ultimative Highlight waren die Osama- und Saddam-T-Shirts. Nach einem Abstecher zum Pearl-Market gingen wir dann in den Yu Yuan, eine herrliche Parkanlage in der ich auch noch drei weitere Stunden hätte verbringen können. Nach einem Tee im angrenzenden Teehaus und einem üppigen, wenn auch nicht unkomplizierten Abendessen sind wir wieder ins Hostel, haben uns schick gemacht und sind dann wieder Richtung French Concession auf der suche nach dem Real Love. Das hatte zwar mittlerweile dicht gemacht, wir haben einen würdigen Ersatz gefunden. Coole Disko mit ultrascharfen GoGos, allerdings viel zu viele Kerle da, aber - was ich ja immer cool finde - alles nur Chinesen. Danach sind wir noch weiter ins Window, da war die Musik besser und die Frauen hübscher, allerdings waren alles Ausländer und bei uns war die Luft schon raus. Gero und Daniel sind gleich wieder abgehauen, ich und Fabian haben noch ein Bierchen genommen und danach Spießchen gefuttert und dabei noch ein wenig Mädchen geguckt. Das bringt mich zu einem anderen Thema: Im Gegensatz zu meinen Mitreisenden finde ich Mädels in Shanghai nicht grundsätzlich hübscher oder sexier als die in Beijing, ich finde das wäre gemein den Beijinger Damen gegenüber. Was allerdings stimmt ist, daß der Stil der Mädels wesentlich westlicher ist. Und auch wenn Shanghai etwas aufregender ist als Beijing, glaube ich, daß man von Shanghai schneller die Nase voll hat, es ist halt alles noch enger und noch voller.
Naja, wie dem auch sei. Am nächsten Tag entscheiden wir uns für einen Tagesausflug in das Nahe Suzhou, das "Venedig Asiens". Leider dauerte alles etwas länger und der Zug hatte auch noch Verspätung, und so kamen wir erst eine Stunde vor Schließung in den "Garten des fleißigen Beamten". Das dazugehörige Museum, das sehr modern aber auch sehr stimmig mit den alten Parkanlagen ist, wurde von irgendeinem amerika-chinesischen Stararchitekten gebaut. Hat mir gut gefallen.
Danach noch zur Beisi Ta, einer elfstöckigen Pagode. Nach einigen Überredungskünsten ließen sie uns doch noch rein und wir knippsten viele Fotos von oben, besonders vom Daniel, der unbedingt große Kunst machen wollte :-). Anschließen hätte ich gerne noch ein wenig von der Altstadt angeguckt, bisher hatten wir ja noch kaum was von den so berühmten Kanälen gesehen, nach dem Abendessen (Hotpot mit superniedlichen Kellnerinnen und lecker Froschfleisch) wurde es aber schon ziemlich spät. Am Bahnhof die nächste Überaschung: Es gab keine Tickets mehr, wenigstens nicht offiziell, da sie alle aufgekauft worden waren von der örtlichen Bahnkarten-Mafia. Wir bekamen noch gute Tickets für die Rückfahrt (zwar für 25 statt 15 Yuan, für die Hinfahrt hatten wir allerdings offiziell 22 bezahlt, von daher war es in Ordnung). Vom Bahnhof in Shanghai fuhren wir direkt nach Pudong zum Jinmao Tower, ich hatte ja Shanghai noch nicht von oben gesehen. Nach einer Fahrt im Fahrstuhl mit den koreanischen Transen und dreimal umsteigen im sehr geschmackvollen Grand Hyatt kamen wir im 87. Stock im Cloud 9 an. Eine supercoole Bar, alles zwar sehr nobel und teuer, aber von Flair und der Einrichtung einfach geil. Meine 120 Yuan Mindestverzehr investierte ich in zwei Scotch, Fabian ließ es krachen und kaufte sich den weltkleinsten Cocktail für 140 Yuan! Nach einem Rundgang mit Nase-an-der-Scheibe-plattdrücken und der Taxifahrt heim sanken wir in unsere Betten.
Für den Montag hatte ich mir zwar eine Bootsfahrt über den Huangpo vorgenommen, allerdings war das Wetter schlecht und ich zog es vor, etwas zu schlafen. Wir packten unsere Sachen und stellten sie an der Rezeption ab und fuhren ein letztes mal in die Stadt. Nach einer kleinen Runde am Opernhaus vorbei und über den Elektronikmarkt aßen wir einen Happen und dann war es auch schon wieder Zeit, zurückzufahren. Wir holten unser Gepäck und fuhren zum Flughafen, wo wir in ein brandneues, nur halb volles Flugzeug stiegen, das uns dann sicher und schnell wieder "nach Hause" brachte!
Mittwoch, 28. November 2007
Shanghai
Veröffentlicht um
10:27
1 Kommentare
Endlich ich mal wieder!
Hallo allerseits,
habt ihr mich schon vergessen oder wißt ihr noch, wer ich bin ;-) Jetzt ist es ja fast auf den Tag genau einen Monat, daß ich zum letzten mal geschrieben habe, es wird also höchste Zeit. Einerseits ist nicht so viel wahnsinnig spannendes passiert, andererseits war ich in letzter Zeit auch verschärft schreibfaul, musste für die Uni so viel schreiben in letzter Zeit, da hatte ich dann keinen Bock abends noch zu bloggen. Als erstes möchte ich auf einen früheren Blogeintrag bezug nehmen, ihr erinnert euch bestimm, daß einer meiner Profs immer und immer und immer wieder "for example" sagt. Ich habe da mal eine wissenschaftliche Messung durchgeführt, das Ergebnis seht ihr auf dem Bild. 304 "for example"s in 37 Minuten...das sind mehr als 8 "for example"s pro Minute oder fast alle sieben Sekunden ein "for example"! Und da soll man dann zuhören!!!
Anyways. Die vier großen Highlights des letzten Monats waren "China Coal and Mining", "Hyundai Exkursion", "Vogelnestbesichtigung" und "Shanghai". Auf die "China Coal and Mining" bin ich gegangen, um mich mit dem Bruder von Herr Vogels Freundin zu treffen. Habe mir dafür extra einen Maßanzug machen lassen, der Bub hat ja nichts zum anziehen hier. Ist ganz cool, habe ein Hemd, eine Hose, eine Jacke und Krawatte für 98 € erstanden, ich finde es sieht schweinemäßig gut aus, außerdem ist es mein Eintritt in die Welt der Reichen und Schönen ;-) Also, Anzug an und dann zur C.C.M. Wurde dort am Eingang von Herrn Gräf abgeholt und bin mit ihm über das Gelände gegangen - alles voller geiler Riesenmaschinen - zum Stand seiner Firma. Die machen so Hydraulik-Sicherheits-Elektronik-Kram für Bergwerke, und ihr Hauptmarkt ist wohl China. wir haben uns aber eher über China im allgemeinen unterhalten, er hatte wirklich viel zu erzählen und es war sehr nett. Irgendwann kam dann noch ein ehemaliger Kollege von ihm, 75 Jahre alt und seit 1976 regelmäßig in China. Der hatte dann so richtig was zu erzählen. Bin dann noch zum essen eingeladen worden mit den zwei Herren, zwei Mädels aus dem Beijing-Büro der Firma (immerhin zwölf Mitarbeiter hier), der Juniorchefin und ihrer Freundin (die allerdings etwas angeschlagen waren, hatten sie doch den Vorabend im Hard-Rock-Cafe verbracht) und irgendwann stieß dann auch noch der Chef hinzu. Hat mir viel Spaß gemacht, alles nette Leute und viel zu erzählen. Nach dem Essen sind wir wieder zum Stand zurück, allerdings ging da gerade der Abbau los weil die Messe zu ende war, also verabschiedete ich mich und ging aus dem Weg.
Mit unserem Production Management Kurs sind wir auf Exkursion gefahren, erst zur Yanjing-Brauerei und dann zu Hyundai. Das sind nämlich die zwei Sachen, die wir Deutsche von den Chinesen lernen können: Bier brauen und Autos bauen ;-). Die Brauerei war mäßig interessant, erst ein 20-minütiger Werbefilm auf Chinesisch, dann ein Rundgang durch die Brauerei, allerdings ohne Erklärungen. Allerdings hat man sowas ja schon ein paar mal gesehen, schöner und besser. Danach gab es noch Bier aus Pappbechern, es war aber kalt und nach einer langen Nacht im Propaganda ein willkommenes Konterbier. Danach ging es ins Autowerk, wieder mit Werbefilm und dann führte uns ein Ehemaliger unserer Uni ein wenig rum. Alles in allem auch mit wenig Tiefgang und auch nur um einen Eindruck zu bekommen. Ich fand es aber beeindruckend, das ist ein supermodernes Werk, alles steht voller Roboter und das meiste geht Automatisch. Maschinen bauen Maschine...so sollte es sein :-)
Ja und dann wurde mir ja eine besondere Ehre zu teil, dafür muß ich aber etwas ausholen. Ich nehme ja an einer Sprachschule noch Chinesischstunden. Unsere nette Chinesischlehrerin Wendy kam irgendwann auf uns zu und fragte uns, ob wir einen Text überarbeiten könnten. Ein Freund ihres Onkels (oder so ähnlich, ich steig da nicht mehr durch, erst dachte ich es sei ihr Onkel selber, auf jeden Fall sind sie wohl sehr vertraut miteinander!), ein Doktor der Architektur (das haben sie immer und immer wieder erwähnt!) hat eine eigene Firma, die Membrankonstruktionen entwickeln, planen und bauen. Eigentlich ganz cool, die sind hier ich China wohl wirklich groß und haben auch irgendwelche Softwares entwickelt. Auf jeden Fall hat diese Firma eine Homepage, die es demnächst auch auf englisch geben soll. Ein Mitarbeiter der Firma hatte diese Texte schonmal von Chinesisch auf Englisch übersetzt, da stellten sich einem aber echt die Nackenhaare auf..."Chinglish" halt...oder einfach von nem Programm übersetzen gelassen. Ich erklärte mich also bereit, mich darum zu kümmern, stellte aber bald fest, daß das wohl nicht so einfach ist. Der Text war tatsächlich nur eine Aneinanderreihung von Wörtern, die auf Chinesisch bestimmt Sinn ergaben, auf Englisch aber keinesfalls. Da war dann die Rede von irgendwelchen "sexual materials" die besonders gutes "Burkina Faso" haben. Ich schlug also vor, mich mit dem Kerl direkt zu treffen. Wie jedes gute Geschäftsmeeting fand auch dieses Treffen mit wenig beziehungsweise gar keinen Klamotten statt, wir trafen uns nämlich zum Schwimmen (?!?). Nachdem der "Onkel" (ich werde ihn einfach so nennen, ist einfacher und jeder weiß, wer gemeint ist!) seine Bahnen geschwommen und ich ein wenig geplanscht hatte, gingen wir in die Sauna, die auf chinesisch auch reichlich whack ist. Erstmal nimmt man sein ganzen Gerödel mit, dann schmeißt man erstmal zwölfeinhalb Tonnen Wasser auf die Steine und dann setzt man sich mit dem nackten Arsch auf das Holz...wenn man nicht David ist...ich hab mich fein auf mein Handtuch gesetzt und gehofft, daß es "arschbakterienfest" ist. Danach gingen wir dann über den Text, oder über einen Teil, es brauchte noch ein weiteres Treffen, bis die Katze im Sack war. A long story short, der Onkel war wohl sehr begeistert von meinen Englischkenntnissen und fand mich "very hard working" und wir sind jetzt beste Freunde. Da dachte ich mir, fragste dochmal, ob die nicht was mit dem Olympiastation zu tun haben, wenn sie schon überall Zelte aufbauen. Und wie es der Zufall wollte, haben sie. Er machte ein paar Telefonate und brachte uns (Wendy, Moritz und mich) tatsächlich auf dei Baustelle. Ich bin ja ein großer Fan dieses Stadions und finde es echt schön. Es war zwar bitterkalt, aber es war trotzdem cool, mal das Ding aus der Nähe bzw. von innen zu sehen, sonst kann man es ja von der Straße aus durch den Bauzaun mehr erahnen als sehen. Aber überall wieder gruselige Sachen. Da sind Löcher im Boden, bei denen in Deutschland wenigstes ein Hütchen stehen würde, der Audruck "Watch your Step" ist keine höfliche Floskel sondern eine überlebensnotwendige Warnung und überall wird gepfuscht (s. Fotos). Da war einer mit einer Sprühpistole am Träger lackieren, zwar schön mit Sicherheitsausrüstung und Atemschutzmaske, allerdings war 15 Meter weiter einer am Schweißen...da hab ich mir gedacht "gehste mal schnell weiter". Trotzdem war es sehr geil und beeindruckend, wenn das Stadion von innen auch nicht so groß wirkt wie es tatsächlich ist.
Veröffentlicht um
07:46
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