Mittwoch, 26. Dezember 2007

Es weihnachtet sehr (sogar in Peking)

Liebes Tagebuch, jetzt ist Weihnachten vorbei und ich muß dir mal wieder erzählen, was so los war. Richtige Weihnachtsstimmung kam hier in China nicht auf, nur gegen Ende, gottseidank haben die Chinesen nicht schon im Oktober angefangen, überall Schokolade und Weihnachtsdeko aufzustellen. Die Supermärkte haben erst zwei Wochen vorher auf Weihnachten umgestellt und dekoriert und beschallt, was ich ganz angenehm fand. Die Chinesen finden Weihnachten auch alle ganz super, gegen Ende war alles dekoriert, sogar die Eingangshalle unseres Wohnheimes, leider wissen sie aber nicht, worum es eigentlich geht. Die Vorweihnachtszeit verbrachten wir mit den Vorbereitungen für unser Krippenspiel, wir waren gefragt worden, ob wir für die "Jahresabschlussfeier" der international students nicht etwas aufführen wollten. Da mir persönlich schnödes Weihnachtsliedersingen etwas zu simpel war, regte ich ein Krippenspiel an, was tatsächlich auf große Zustimmung stieß. Geleitet von unserem (mehr als) verwirrten Regisseur Daniel, dem man alle Änderungen bezüglich Liedern usw. am besten in 12-facher Ausführung mailt, gaben wir das Krippenspiel von dieser Homepage zum Besten. Das Ergebniss kann sich jeder hier angucken: Teil 1, Teil 2. Die ganze Feier war echt cool, zwar waren wir das einzig annähernd weihnachtliche, es gab aber auch traditionellen indonesischen Tanz, koreanischen Rock, Verarschung der Beijing-Oper, eine Modenschau aus Bangladesch und sogar unsere 服务员 tanzten...ganz niedlich, alle mit Perlenhütchen und kleinen Schirmchen.
Die festliche Komponente von Weihnachten hakte ich dann am Sonntag ab, es ging in ein deutsches Restaurant (die Kochmützen) zum Brunchen. Es sollte da für 10 Euro (14 Euro mit Bierflatrate!) einen Brunch geben, der keine Wünsche offen lässt. Und tatsächlich war es ein wahres Vergnügen: Es gab Aufschnitt, Roast Beef, Salate, echtes deutsches Brot, echte Brötchen, echte Brezeln zu echten Weißwürsten mit echtem Senf, Omlettes zum selber zusammenstellen, Christstollen, Apfelstrudel, Mousse au Chocolat, Austern (dazu später mehr) und was weiß ich noch. Wir waren schon alle fast sattgegessen, da mußten wir uns noch ein Mittagessen von der Karte aussuchen, in herrlicher Weihnachtstradition wählte ich Hirschgulasch in Rotweinsoße mit Kartoffelbrei und Rotkohl. Hatte ich bisher auch dem Bier widerstanden, so mußte jetzt doch eins her, damit sich der arme Hirsch nicht so einsam fühlt. Der langen Rede kurzer Sinn: Wir aßen vier Stunden lang, ich wollte danach nie wieder einen Bissen anrühren und ich zahlte 14 Euro...da kann man nichts sagen! Für Bilder darf ich euch auf Michels Album verweisen, ich hatte meine Kamera vergessen!
Ja und was hab ich an heilig Abend gemacht? Natürlich hatte ich keine Vorlesungen (Montags ja eh nicht, abgesehen von Automotive Engineering von 19:20 bis 21:40, da hatte ich mich aber für entschuldigt) und so hatte ich reichlich Zeit, den Tag ruhig anzugehen. Zunächst schlief ich aus, danach ging ich zur Post, um Weihnachtspäckchen abzuschicken. Alles nicht so einfach, die gucken zwanzigmal in jedes Paket rein, man muß dreißigmal aufschreiben was wer an wen wohin schickt und dann gucken sie noch zehnmal rein. Für vier Päckchen an vier verschiedene Orte (warum sollte ich auch mehrere Päckchen an einen Ort schicken?!?) brachte ich eine Stunde in der Post zu. Danach traf ich mich dann mit ein paar anderen und wir fuhren mit dem schwarzen Taxi zur deutschen Botschaft zum Weihnachtsgottesdiest. Abgesehen davon, daß wir wegen des Staus zu spät kamen, war es sehr schön, zum ersten Mal kam richtiges Weihnachtsfeeling auf und man wurde bei Stille Nacht sogar ein wenig rührseelig :-). Highlight war das Krippenspiel, wie es sich gehört, mit kleinen Kiddies, leicht verwirrten Hirten und - jetzt kommt's - einem echten Jesuskind! Danach quälten wir uns durch die Rushhour zurück zur Uni, brauchten doppelt so lange wie auf dem Hinweg. Danach wollte ich mich einfach ein wenig Ruhen und dann ordentlich Weihnachten feiern, nachdem ich mit Heidelberg telefoniert hatte machte mein Bauch aber komisch und ich ließ mir den Tag nochmal durch den Kopf gehen. Von diesem Zeitpunkt an schlief ich dann im Wechsel eine Stunde und kotzte dann, frohes Fest sag ich nur! Gestern hing ich dann entsprechend auch noch in den Seilen, hab den ganzen Tag nur Wasser und Reis zu mir genommen. Heute geht es mir aber schon besser, hab eine Banane gefrühstückt, die ist bis jetzt noch drin :-). Habe gerade auch erfahren, daß Sabrina, Myron und Christoph auch alle Magenprobleme haben, interessanterweise alles Leute, die beim Brunchen dabei waren. Unser Fazit: Es waren wohl die Austern, die "Kochmützen" werden verklagt, einfach den Feiertag vermiesen...ich glaube, das zählt als seelische Grausamkein!

1 Kommentar:

mykey hat gesagt…

Ich merke schon, dass Du Dein Netztagebuch in eine Pro-Ana Seite umwandeln möchtest (^_~)

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