Als wir in Hongkong aus dem Zug kamen und die Einreiseformalitäten erledigt hatten, warteten am Ausgang schon Fotografen, Reporter und Kamerateams (nicht auf uns leider, ein hongkonger Journalist, der auf dem Festland wegen "Spionage" angeklagt war und zwei Jahre im Gefängnis in Guangzhou gewesen war, sollte an diesem Tag wieder nach Hongkong zurückkehren). Wir gingen erstmal frühstücken im McDonalds, hoben Geld ab (Hongkong-Dollar) und kauften uns Metrokarten. Nach einiger Verwirrung fanden wir auch dann die richtige U-Bahn und fuhren nach Causeway-Bay, wo unser Hostel sein sollte. Als wir aus der U-Bahn (die in Hongkong echt super ist!) kamen, tobte auf der Straße das pralle Leben. Hundertmillionen Leute, coole schmale Straßenbahnen und Busse und noble Autos, die aber alle auf der falschen Seite fahren. Wir checkten in unser Hostel ein und machten uns dann gleich auf den Weg für ein wenig Sightseeing. Zunächst gingen wir in den Victoria (wie die ehemalige englische Königin) Park, dort fand ein riesiger Blumenmarkt statt, anlässlich des neuen Jahres. Die Hongkonger kaufen aber auch einen Kappes. Überall liefen sie rum mit aufblasbaren Dingern, Windrädern, Blumen und was weiß ich nicht noch was für einem Kitsch. Danach wollten wir zum Typhoon-Shelter und der Noon-Day-Gun, hatten aber ein wenig Probleme, die richtige Richtung zu finden. Daniel fragte also in feinstem Hochchinesisch, wo wir hingehen sollten, was die Dame aber nicht verstand, also probierte ich es auf englisch, was die Dame sofort verstand und in feinstem Oxford-Englisch antwortete. In Hongkong kommt man mit Englisch viel weiter als mit Chinesisch (bzw. Mandarin), außer man kann Kantonesisch. Wir gingen dann - an einigen Ferraris - am Victoria-Park entlang bis zum Wasser (Victoria-Harbour) und zum Typhoon Shelter. Wir fotografierten uns ein wenig gegenseitig, bestaunten die Yachten und gingen dann weiter an der Noon-Day-Gun (sie wird jeden Tag um 12 abgefeuert, eine Tradition aus britischen Zeiten) in Richtung Convention Center, immer am Wasser entlang und anscheinend durch eine Gegend, in der Hongkonger gerne ihre Hunde ausführen. Am Convention Center erhoben sich dann auch die ersten richtig großen Gabäude, wir gingen ins Central Plaza, dort kann man kostenlos auf die 37. (oder so) Etage und von dort aus einen Rundumblick auf die Stadt genießen. Wieder unten angelangt machten wir kurz Stopp im Starbucks und gingen dann weiter, erst über irgendwelche Baustellen (Landgewinnung ist in Hongkong wohl ein ständiges Thema und in vollem Gange) dann am Lippo Center, der HSBC und dem berühmten Gebäude der Bank of China sowie der City Hall vorbei. Ziel des Ausfluges war das ifc2, das höchste Gebäude Hongkongs. In der angegliederten Mall verbrachten wir ein wenig Zeit, chillten auf der Dachterasse (nur im 3. Stock :-) ) guckten ein bisschen Geschäfte an und standen irgendwann vor einem Kino. Nach kurzem Beratschlagen beschlossen wir, uns einen Film anzugucken. Wir einigten uns auf Sweeney Todd, als ich allerdings sah, daß nur noch doofe Plätze frei waren, hatte ich keine Lust mehr und schickte die Buben allein ins Kino. Ich zog allein durch die Straßen, mittlerweile war es dunkel und die Gebäude hatten alle ihre "Festbeleuchtung" angeschaltet (ein Hoch auf meine Kamera, daß sie auch im Dunkeln so super Bilder macht!). Erst suchte ich nach einer Handykarte - allerdings gab es in der näheren Umgebung ca. hunderttausend Nobelboutiquen aber keinen Handyladen - wollte ich doch Franzis Freundinnen in Hongkong anrufen, die uns ein wenig herumführen wollten. Irgendwann hatte ich dann eine Erleuchtung, nämlich als ich vor einem öffentlichen Münztelefon stand...die gibt es ja auch noch :-)). Ich rufte also an, wir machten ab, daß wir uns am nächsten Tag vielleicht zum Lunch treffen (mit Alice, May erreichte ich nicht). Und ich zog noch ein bisschen um die Häuser, zwischendurch kaufte ich mir noch Abendessen. Zu guter Letzt ging ich noch an das Fährenterminal, wo die Fähren nach Macau abfahren und informierte mich über Preise und Zeiten und nachdem ich noch ein Wenig Schiffe geguckt hatte (die Fähren sind so cool...Katamarane mit Wasserstrahl-Antrieb!) und dem regen Treiben auf dem Heliport zugeguckt hatte (alle zehn Minuten kam ein Hubschrauber an...Geld müsste man haben!), war es auch schon an der Zeit, zurückzugehen und die Jungs wieder einzusammeln. Sie überaschten mich mit einem kühlen Becks und nachdem wir das am Victoria-Harbour getrunken hatten (pennermäßig auf der Parkbank) gingen wir zurück zum Hostel. Auch nachts um elf war in der Straße vor unserem Hostel noch die Hölle los, was uns allerdings kalt ließ, wir waren einigermaßen fertig und gingen bald ins Bett. Am nächsten Morgen standen wir relativ früh auf, Gero und ich wollten auf den Central Market, dort sollte es gut abgehen und wir wollten endlich einen richtigen chinesischen Markt sehen, nachdem Guangzhou doch ein wenig entäuschend war. Aus der U-Bahn kommend stellten wir dann aber fest, daß die große Markthalle, die in meinem Reiseführer als interessant beschrieben war, geschlossen war, wir gingen also ein wenig durch die kleinen Gässchen, dort war auch Markt. Es war zwar recht interessant, überall wurde Gemüse verkauft, Fische zerlegt und Fleisch verkauft, die großen Abartigkeiten fehlten aber, das "härteste" war die Hühnermetzgerei, in der man sich das lebendige Huhn aussuchte, aber das tote Huhn mitnahm...Schlachten direkt auf der Theke :-). Nach einem guten englischen Frühstück gingen wir zu den Mid-Level-Escalators, riesige Rolltreppen, die die höher gelegenen Stadtgebiete mit dem Stadtkern am Wasser verbinden. Sie fahren von 6-10 morgens nur runter, von 10:20-24 Uhr nur aufwärts. Nachdem Fabian verschwunden war (ein Kacki machen) und wieder auftauchte, nahmen wir die Rolltreppen und waren gute 20 Minuten damit beschäftigt, uns von den Rolltreppen hochfahren zu lassen. Sauwitzig einfach. Man fährt einfach an allem vorbei, kann alles schön angucken und ist dann irgendwann oben auf dem Berg. Oben riefen wir dann wieder Alice an (es war ja bald Mittagessenszeit), sie mußte aber arbeiten und wir verabredeten uns für den Abend. Wir gingen weiter über Hügel und durch Täler, vorbei an Häuserschluchen und wild gezogenen Straßen zum botanischen und zoologischen Garten, überall standen Palmen und Tropenpflanzen, die Sonne schien und es war warm und einfach cool. Der Zoologisch-botanische Garten ist wirklich eine schöne Anlage, kostenlos und sauber, mit ettlichen Gehegen für die verschiedensten Tiere. Leider war der Leopard in Ferien ( :-( ), wir guckten aber Affen und Schildkröten und Vögel und was weiß ich noch alles an. Danach hatten wir so langsam Hunger und Gero wollte endlich Schuhe kaufen gehen, also gingen wir an der Govenor's Mansion (da kann man echt geschmeidig wohnen!) und St. Paul's Cathedral in Richtung Victoria Harbour. Nachdem wir vor der Kathedrale an der Straße schon über die vielen teuren Autos (überwiegend deutschen Fabrikates) gestaunt hatten, die alle sauber wie geleckt waren, kam Fabian vor der Kathedrale mit einem BMW Besitzer ins Gespräch, der sogar Felgen aus Aachen hatte (Schnitzer halt :-) ). Der sagte uns dann, daß Hongkong doof sei, da man, wegen der Luftverschmutzung, sein Auto jeden zweiten Tag waschen lassen müsse...das nenn ich mal Luxusprobleme :-). Danach gingen wir in eine der zahlreichen Malls shoppen. Gero kaufte Schuhe, ich Displayfolien, Daniel und Fabian guckten nur. In der Mall war auch ein Geschäft für Zinnsoldaten. Neben Napoleon, Rittern und Samurai fand sich auch eine Auswahl der diversen Nazi"größen" als 5 cm hohe Figürchen, das Stück zu je ungefähr 20 Euro. Alles war schön in Glasvitrinen aufgebaut, zum Beispiel der Fackelmarsch vor dem Reichstag oder ähnliches. Danach gingen wir zum Ferry Terminal, kauften Tickets für Macau und informierten uns über die Weiterreise nach Sanya. Leider fanden wir auch heraus, daß es wohl nicht üblich sei, mit dem Schiff von Hongkong nach Sanya zu fahren. Später in der Touristeninfo in der U-Bahn sagte uns die (überaus gutaussehende!) Mitarbeiterin, daß Schiffe diese Strecke nur ungefähr alle zwei Wochen führen, wir waren genau zwischen zwei Schiffen in Hongkong, also entschieden wir uns für das Flugzeug (wir hatten ja auch keine wirkliche Alternative ;-) ). Nach einem herrlichen (taiwanesischen) Essen, bei dem ich mein Essen erst bekam, als alle anderen schon fertig waren, machten wir uns frisch und fuhren zurück in die Stadt, um uns mit May zu treffen. Nach kurzer Zeit kam May dann. May ist ein wirklich nettes Mädel, spricht viel und macht noch viel mehr Fotos. Englisch kann sie ausgezeichnet, weswegen sie auch in einem zweisprachigen Kindergarten arbeitet, Mandarin spricht sie aber überhaupt nicht und sie haßt das Festland! Das einzige was May noch lieber mag als reden ist Fotos machen, das Problem ist nur, daß die Batterien ihrer Kamera ständig leer sind, deswegen muß man dann immer in irgendeiner - von ihr gewünschten - crazy Pose verharren, wärend sie die Akkus wechselt. Nachdem wir schon eine Weile in einer Kneipe in Lan Kwai Fong (der lokalen Saufmeile) getrunken hatten, kam dann auch Alice, die eher die ruhige (und hübschere ;-) ) von den beiden ist. Wir hatten aber eine Menge Spaß und haben uns mit beiden herrlich amüsiert. Irgendwann hatten wir aber alle genug und wir fuhren heim, am nächsten Tag wollten wir nämlich früh raus und einen Tagesausflug nach Macau machen. Die Reise nach Macau werde ich im nächsten Bericht beschreiben, wir spulen also einfach mal schnell einen Tag vor :-).
Wir trafen uns morgens mit May (Alice war wieder zu spät) zu Dim Sun, das ist eine hongkonger Spezialität, vergleichbar vom Prinzip her mit den spanischen Tapas. Es sind viele leckere Kleinigkeiten, von scharf bis süß, vieles im Teigmantel und/oder mit Meeresfrüchten, alles aber superlecker und wir schlugen uns mal so richtig die Bäuche voll. Danach gingen wir ein wenig spatzieren und landeten schließlich wieder am Victoria Harbour (diesmal Kowloon-Seite) an der Avenue of Stars, so etwas wie dem Walk of Fame in Hollywood, alles nur mit asiatischen Schauspielern. Dort verabschiedeten wir die Damen und setzten mit der Fähre über (Fähre fahren ist ja so viel cooler als U-Bahn...irgendwie weltmännischer!). Während der Fahrt durch den Victoria Harbour passierten wir auch das gerade einlaufende Traumschiff, die MS Deutschland. Wieder auf Hongkong Island gingen wir zur Talstation der "Peak-Tram", an der uns der nette Mitarbeiter sagte, daß wir mindestens zwei Stunden anstehen müssten...das fanden wir aber doof, und so nahmen wir uns ein Taxi auf den Berg. Der Peak ist der höchste Gipfel auf Hongkong Island, quasi nur einen Steinwurf von der Stadt entfernt und als Naherholungsgebiet ausgebaut. Oben trafen wir dann einige Gäste von der MS Deutschland. Danach nahmen wir den Rundweg um den Peak, hatten zunächst einige Probleme (zum Teil auch selbstgemachte) den Einstieg zu finden, dann aber genossen wir den Weg um den Gipfel sehr, mit perfektem (wenn auch dunstigem) Ausblick über die Stadt. Nach einem Essen im Burgerking (endlich mal einer in China!!!) nahmen wir ein Taxi zurück zum Hostel, ruhten uns kurz und fuhren dann wieder nach Kowloon, für den Abend war das Feuerwerk angekündigt (Neujahr halt). Nach langem Hin- und Herirren fanden wir endlich passable Plätze, waren allerdings früh dran, weswegen wir noch etwas warten mußten. Dann aber ging es los...so etwas hab ich ja überhaupt noch nicht gesehen. Wir hatten zwar vorher alle gesagt "Feuerwerke kennen wir ja" aber das war wirklich der Gipfel. Ich habe keine Bilder gemacht, sie wären alle nix geworden. Zwanzig Minuten lang wurden Raketen und Böller von Schiffen auf dem Victoria Harbour abgefeuert, unterstützt von Lasern auf den Hochhäusern. Alles spiegelte sich in den Fassaden wieder und sie "schrieben" sogar "2008" in den Himmel mit Raketen. Anschließend warteten wir noch ein bisschen, bis sich die Massen alle verzogen hatten und suchten uns dann noch eine Kneipe (vorbei am "Gero der Zukunft" - siehe Bilder) , in der wir noch ein paar Bier nahmen und fuhren dann ins Hostel. Für den nächsten Tag hatten wir uns mit den Mädels für Lantau Island verabredet, einem Naherholungsgebiet ganz in der Nähe von Disneyland und dem neuen Flughafen. Nach einer langen U-Bahn-Fahrt und noch längerer Busfahrt über die kleinen Bergstraßen waren wir dann am Kloster mit dem Riesenbuddha und fuhren von dort dann nach Tai O, einem ursprünglichen Fischerdorf, das allerdings auch einigermaßen von Touristen überlaufen war. Dort streiften wir eigentlich nur durch die Gassen, guckten die Märkte an und aßen etwas, zogen wieder ein wenig durch die Gässchen, übten den Löwentanz, guckten der Dorfjugend zu, wie man es richtig macht und fuhren dann wieder nach Hongkong. Diesmal stiegen wir in Mong Kok aus, nahmen das Abendessen in einem Macauer Restaurant ein und die Mädels zeigten uns noch einen "Ladies Market", was quasi ein Fake-Markt ist, wie es sie auch in Peking gibt, nur daß der Stil eher westlich ist. Nach ein wenig shoppen suchten wir uns eine Kneipe, betranken uns mit den Damen und verabschiedeten sie dann. Der nächste Tag war schon wieder Reisetag, wir fuhren zum Flughafen, gaben die U-bahn-Karten zurück und stiegen dann in das kleinste Flugzeug Chinas (das nur halb voll war) und waren eineinhalb Stunden später in Sanya.
Montag, 25. Februar 2008
Urlaub Teil 4: Hongkong
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Freitag, 22. Februar 2008
Urlaub Teil 3: Guangzhou
Als ich nach acht Stunden ausgezeichneten Schlafes (der Zug sollte laut Fahrplan elf Stunden brauchen), wunderte ich mich zunächst, warum ich eigentlich so gut schlief, stellte aber sofort fest, daß es wohl in erster Linie daran lag, daß der Zug stand. Nach der Morgentoilette und dem Zusammenpacken meiner Sachen (ich war ja bald da!) suchte ich eine Schaffnerin und befragte sie, sie wußte aber mal wieder nichts, auch die anderen Schaffner hatten keinen Schimmer, wann wir ankommen würden. Ich machte mir aber keine Sorgen, ich hatte ja mittlerweile mehr als neun Stunden im Zug verbracht, weit konnte es also nicht mehr sein! Ich setzte mich also auf mein Bett und spielte Gameboy und blätterte im Reiseführer. Bald kam mir der Verdacht, daß es doch noch etwas länger dauern würde, der Zug fuhr nämlich immer nur eine halbe Stunde und stand dann wieder, dann fuhr er mal wieder eine Stunde, stand dann aber wieder zwei. Draußen war alles eingeeist und ich verstand langsam, warum "das Bisschen Schnee" tatsächlich ein Problem sein könnte: Alle Bäume und Büsche waren in einen dicken Eispanzer gehüllt, an der Strecke standen Hütten und Scheunen mit eingestürzten Dächern (aber vielleicht waren die auch schon vorher kaputt ;-) ). Um die Zeit für den geneigten Leser nicht ganz so lang zu machen, wie sie für mich tatsächlich war: Ich verbrachte die Zeit mit Spielen, Lesen, aus dem Fenster gucken, Schlafen und durch den Zug gehen, immer in der Hoffnung, daß wir in einer Stunde sicher ankommen würden. Es kam auch kein Klingelwagen vorbei und am Nachmittag bekam ich dann großen Hunger, da fiel mir dann aber ein, daß ich ja noch eine "Notration" Aldi-Trauben-Nuß im Rucksack hatte, die auch gleich (fast ganz) geschlachtet wurde. Gegen Abend ließ sich der Klingelwagen dann endlich blicken, ich kaufte mir eine warme Mahlzeit, zwei Flaschen Wasser und ein Bier. Zwischendurch bot ich dem kleinen Jungen, der mittlerweile allein im Abteil war mit mir (sein Vater war Schnaps trinken mit den Schaffnern und dem Personal vom Speisewagen), den Rest der Schokolade an. Ich fragte ihn, ob er Schokolade möge, was er bejaht, worauf ich ihm die Tafel vor die Nase legte. Er schaute mich nur unverwandt an und cih sagte ihm, daß ich sie ihm schenke. Als er immer noch nichts tat, öffnete ich die Tafel und drückte ihm ein Stück in die Hand, endlich hatte er verstanden und ließ es sich schmecken. Um 17 Uhr hielten wir dann an einem Bahnhof, der auch auf meiner Karte eingezeichnet war, ich war wirklich zuversichtlich und schrieb den Jungs, daß ich wohl in spätestens zwei Stunden in Guangzhou ankommen würde. Aber kleine Sünden und so...kurz darauf hielt der Zug wieder, diesmal für zwei (gefühlte fünf) Stunden. Und als ich es kaum noch für möglich hielt, noch jemals anzukommen (irgendwann war ich dann auch jenseits von Gut und Böse), fuhr der Zug (es wird wohl so 23:30 gewesen sein) in den Bahnhof von Guangzhou. Guangzhou war einer der Hauptbrennpunkte der "Schneekatastrophe", als wichtiger Verteilerbahnhof von und nach Süden kamen dort viele Leute an und je mehr Züge ausfielen, desto voller und chaotischer wurde es dort, wie ihr bestimmt alle in den deutschen Nachrichten gesehen habt. Fabian hatte zwischendurch geschrieben, daß wohl 200.000 Leute in Guangzhou auf ihre Weiterfahrt warteten, ich war also auf das Schlimmste vorbereitet. Das Bild, daß sich außerhalb des Bahnhofes bot, versetzte mich trotzdem in bares Erstaunen: So viele Menschen auf einem Haufen habe ich überhaupt noch nie gesehen. Von den 200.000 Leuten waren gut 20.000 bis 50.000 Soldaten und Polizisten, es standen Sanitätszelte, Planungscontainer und LKW mit der Aufschrift "Emergency Communications" herum. Der riesige Bahnhofsvorplatz und die umliegenden Straßen (der Bahnhof war weiträumig gesperrt, weswegen ich auch eine halbe Stunde gehen mußte, bis ich überhaupt mal ein Taxi sah!) waren mit Zäunen unterteilt, in denen Leute dichtgedrängt standen, lagen, hockten. Ich kam nicht umhin, an Schlachtvieh zu denken. Zwischendrin waren ganze Kompanien von Soldaten, die aneinandergelehnt schliefen, andernorts standen Soldaten dreireihig vor den einströmenden Menschen. Vor lauter Erstaunen (und wohl auch aus Angst, eine auf den Deckel zu kriegen von den Offiziellen) machte ich kein Foto, das ihr euch angucken könntet. Ich hatte aber einen Logenplatz, die Aussteigenden wurden nämlich über Fußgängerbrücken von dem Gelände geleitet. Nach einem kurzen Stopp im Supermarkt suchte ich dann ein Taxi, die ersten die ich fand sagten aber alle, daß sie in die Straße nicht reinfahren könnten, leider verstand ich nicht, warum. Nach einiger Zeit kam dann eine junge Dame und bot ihre Hilfe an, die ich dankend annahm. Sie erklärte mir dann, daß die Straße, in die ich wolle, eine Fußgängerzone sei. Nachdem sie dem Taxifahrer erklärt hatte, mich doch bitte in die Nähe zu bringen fragte sie noch, ob sie mitfahren könne, sie brauche auch dringend ein Taxi. Auf der Fahrt stellte sich dann heraus, daß sie eine Freundin im Krankenhaus besuchen wolle, die mit ihrem Freund am Bahnhof versucht hatten, einen Zug zu bekommen. Beim Versuch, noch in letzten Moment auf den Zug aufzuspringen und wohl auch im Zusammenhang mit einer Massenpanik wurde dabei die Freundin schwer verletzt und der Freund getötet. Was soll man da sagen, außer:"Tja, da sind wir ja schon...ich muß dann mal!" Nach einigem Umherirren fand ich dann auch das Hotel, in dem mich die Jungs mit Fotoapparaten und kühlem bier empfingen, wir machten aber nicht mehr lang, es war ja schon gegen ein Uhr. Am nächsten Morgen ging ich dann mit Gero (Fabian und Daniel wollten in den Zoo) in den Yuexiu-Park. Dort war auch schon alles herrlich dekoriert in allen Varianten, wieder Skulpturen aus bespanntem Draht, Blumenskulpturen und auch Skulpturen aus Geschirr (voll cool, siehe Fotos). Das Wetter war angenehm aber nicht wirklich gut, warm aber mit kurzen Schauern. Der Park war sehr schön, alles schon tropisch anmutend und in sattem grün. Im Park beguckten wir als erstes die Skulptur der fünf Ziegenböcke, die an die Gründungslegende von Guangzhou erinnert (fünf Unsterbliche kommen angeritten auf fünf Ziegenböcken, planzen fünf magische Reispflanzen, voila, eine Stadt!) und das Sun Yatsen Monument. Nach einem Kaffe im Park wollten wir auf den Qingping-Markt, der für seine Kuriositäten bekannt ist, nachdem wir an der Insel Shamian (früher Wohngebiet der Franzosen und Engländer) vorbeigegangen waren, befanden wir uns auf dem Markt, viel kurioser als Skorpione zu tausenden in Plastikwannen und säckeweise Schildkröten wurde es aber (leider) nicht. An die Skorpione traute ich mich auch nicht ran, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, auch ein paar abgefahrene Sachen zu essen. Nach einem Gang durch die (völlig überfüllte) Fußgängerzone, in der ich mir eine Brille kaufte (nicht, weil ich sie brauche!), kamen wir wieder am Perlfluß an, den wir entlang gingen, auf der anderen Uferseite noch einen Tempel besichtigten und uns dann mit Fabian und Daniel zu unserer Abend-Buffett-Flußkreuzfahrt trafen. Als wir ankamen wurde uns eröffnet, daß das Schiff erst eine Stunde später ablegen würde, wir warteten also und waren dann die ersten auf dem Schiff und am Buffet. Die Fahr war ganz nett, vom Boot aus konnte man doch die beleuchtete Stadt (ja, den Kraftwerken geht wegen Wintereinbruchs die Kohle aus...) etwas besser sehen (siehe Fotos). Nachdem wir satt waren und das Boot angelegt hatte, machten wir uns kurz frisch im Hotel und gingen dann in die Disco, in der ich mir mal ordentlich einen einbaute :-)) . Der Tag darauf war auch schon der Abreisetag und ich bedauerte es direkt, daß mir die zwei Tage (einer extra in Wuhan, einer extra im Zug) fehlten. Wir checkten aus und fuhren zum Bahnhof und zum Highspeed-Train nach Hongkong, der um die Mittagszeit abfuhr. Die Fahrt dauerte nicht lang, nicht einmal zwei Stunden, davon eine allein nur durch Hongkong. Während dieser Zeit drückten wir uns schon die Nasen an den Fenstern platt (endlich hatten wir den supernervigen Businessman vergessen, der mit superlautem Handy hantierte!) und freuten uns schon sehr darauf, endlich im berühmten Hongkong zu sein!
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Donnerstag, 21. Februar 2008
Urlaub Teil 2: Wuhan
Als erstes versuchten wir in Wuhan, da wir ja noch am Bahnhof waren, die Karten für die Weiterfahrt nach Guangzhou zu kaufen. Nach einem länglichen Fußmarsch durch und über und um den Bahnhof bzw. die Baustelle, die bald mal der neue Bahnhof werden soll fanden wir den Ticketschalter und fanden heraus, daß man in Wuhan die Tickets nur jeweils am Vortag kaufen kann...tolle Wurst. Also setzten wir uns in ein Taxi und fuhren in die Nähe des Hostels (wir dachten ja, es sei direkt vor der Tür des Hostels). Nach einer halben Stunde Hin-und-her-Irren durch das Schneetreiben (in Wuhan lag alles voller Schnee und es schneite reichlich in dicken Flocken) fanden wir dann endlich das Hostel (herrlich versteckt abseits der Hauptstraße), nur um dort festzustellen, daß alle anscheindend noch schlafen. Wir machten es uns so bequem wie möglich in der kalten und ungeheizten Lobby (es gibt wohl die Regelung in China, daß alles, was südlich vom Yangzi liegt, keine Heizung braucht (hat die KP so beschlossen!), daher hatte das Hostel auch keine Heizung) und warteten. Es kam auch recht bald eine junge Dame, die aber wohl neu war und mit unserer Reservierung etwas überfordert war. Nachdem wir uns einen Kaffee aus frischgemahlenen Kaffeebohnen in der Turbokaffeemaschine (siehe Bilder) hatten machen lassen, eröffnete sie uns, daß es im ganzen Hostel kein warmes Wasser gebe, was wir natürlich bei gefühlten -10° Außentemperatur und ungeheizten Zimmern etwas doof fanden. Daniel hängte sich also - angeleitet durch den Reiseführer - ans Telefon, während ich versuchte, Informationen über den geplanten Ausflug zum Staudamm zu bekommen. Nach einiger Zeit fand daß Mädel raus, daß es keine Ausflugsschiffe gibt und daß der Busverkehr höchstwahrscheinlich eingestellt sei. Inzwischen hatte Daniel auch ein anderes Hotel gefunden (Preis stimmte und sie hatten uns am Telefon versichert, daß sie sowohl eine Heizung als auch warmes Wasser hätten!), wir entschuldigten uns bei dem Mädel für Mühe, die wir gemacht hatten und fuhren per Taxi auf die andere Seite des Flusses. In Wuhan drohte zu diesem Zeitpunkt der Verkehr zu kollabieren, ähnlich wie in Deutschland verlernen die Leute in China nämlich auch bei 10 Zentimetern Neuschnee schlagartig das Autofahren. Wir sahen im Vorbeifahren auch den "Winterdienst", er bestand aus einem Pritschenwagen, auf dessen Ladefläche säckeweise Salz stand auf/neben denen vier mindergutgelaunte Chinesen saßen, die das Salz etwas unmotiviert in großen Klumpen mit bloßen Händen auf die Fahrbahnmarkierung zwischen den Spuren warfen...Respekt! Am Hotel angekommen legten sich die zwei kleinen erstmal ins Bett, ich startete gleich einen Rundgang durch die Gemeinde. Erste Amtshandlung: Organisation der Busfahrt zum Staudamm! Die Dame an der Rezeption sagte mir sofort, daß natürlich kein einziger Bus mehr ginge, bei dem Schneetreiben sei das ja ein Ding der Unmöglichkeit (inzwischen hatte sich der "Schneesturm" vom frühen Morgen in Strahlenden Sonnenschein und Tauwetter gewandelt). Ich ging nur wenige Schritte vom Hotel weg, direkt ins Geschäftszentrum von Wuhan und stand dort direkt vor dem Busbahnhof, von dem die Busse - oh Wunder! - im Fünfminutentakt abfuhren, jede halbe Stunde auch nach Yichang, der Verteilerstadt auf dem Weg zum Staudamm. Tickets gab es, Busse fuhren, alles prima! Da wir wegen der Zugtickets nicht sicher waren informierte ich mich auch vorsorglich über Flugtickets, fand aber nichts Günstigeres als das, was die Hotelangestellten Daniel zuvor schon gesagt hatten. Danach spatzierte ich ein wenig durch die Stadt, Wuhan ist nicht unbedingt die schönste Stadt oder die sehenswerteste, ich fand aber trotzdem ein paar nette Ecken, vor allem in der Chezan Lu, der Shoppingmeile von Wuhan, in der noch viele Gebäude davon zeugen, daß hier einst das Kolonialviertel war. Interessant war auch die Tatsache, daß es in dieser Straße im Großen und Ganzen eigentlich nur fünf oder sechs verschiedene Geschäfte gibt, zwei Sportartikelgeschäfte (davon ein bekanner deutscher mit drei Streifen im Logo) und drei verschiedene Modehäuser (so etwas wie die chinesischen Versionen von H&M, bei denen ich aber bisher immer gerne eingekauft habe), die sich auf der 500 Meter langen Straße in wechselnder Reihenfolge wiederholen. Besonders erwähnen möchte ich auch die Wuhaner Mädels, bisher habe ich in noch keiner chinesischen Stadt so viele hübsche Mädels gesehen (nein, auch nicht in Shanghai, und schon gar nicht in Hongkong!), die sich auch alle fast den Hals ausrenkten vor lauter gucken. Anscheinend verirren sich nämlich nur wenige westliche Touristen nach Wuhan (ich habe in den Tagen in Wuhan nur einen einzigen gesehen, der nicht Daniel oder Gero hieß und mich nicht aus dem Spiegel anguckte), und so genießt man hier noch gut 120% Ausländerbonus :-) . Nachdem ich einige laut meines Reiseführers historisch wertvolle Gebäude beguckt hatte fand ich mich selbst am Ufer des Yangzi wieder, sah direkt die wohl drei letzten Yangzi-Flußdelfine (allerdings nur als Bronzedenkmal) und versuchte, etwas ans Wasser zu kommen. Leider nahm ich die Bezeichnung des Ufers als "Bund" (britische Bezeichnung für eine befestigte Uferanlage) etwas zu "shanghaierisch" (dort ist der Bund nämlich als Flaniermeile bekannt), in Wuhan ist alles zugebaut mit Lagerhallen und Frachtterminals, ich sah also nichts vom Fluß, bis ich einfach mal ganz dreist zwischen zwei LKW durch ein Tor ging und mich zwischen Hafenarbeitern und Gabelstaplern wiederfand, allerdings direkt am Wasser. Leider war es etwas diesig, deswegen sind die Bilder nicht so toll, ich fand den Fluß aber allein schon seiner Größe wegen durchaus beeindruckend und schaute für eine ganze Weile dem geschäftigen Hafentreiben zu. Nachdem ich noch ein wenig am Fluß in Richtung Süden gelaufen war, bog ich wieder nach Westen in die Stadt ein, mittlerweile war ich schon zweieinhalb Stunden unterwegs und fand, es sei an der Zeit, die zwei kleinen Schweinchen wachzuküssen. Ich dachte mir, es sei wohl eine schlaue Idee, nicht die lauten und verstopften Hauptstraßen zu nehmen sondern ging etwas in die kleinen Gässchen hinein. Es war wirklich cool, zwar supersiffig (alles ölig-schmierig-schneematschig), überall Geschäfte die alles mögliche verkaufen, man bekommt dort wohl alles von Aalködern und Elektro-Material über Jugendbekleidung und Motorersatzteilen bis hin zu Schleifscheiben und Zubehörteile für Fischerboote. Ich war froh, daß ich eine Mütze aufhatte, überall tropfte es nämlich von den Dächern (wie gesagt, Tauwetter!) und überall hing Wäsche oder Fisch an den Stromleitungen, beides zum Trocknen. Allerdings hatte der kleine Exkurs in dei Seitenstraßen zur Folge, daß ich mir bald gar nicht mehr so sicher war, wo ich eigentlich hin mußte, mit vielen Passanten und lang vergessen geglaubten Pfadfinderfähigkeiten ("...wenn da jetzt die Sonne ist, dann ist das wohl die richtige Richtung...") fand ich aber dann doch - mehr schlecht als recht - zurück zum Hotel, zwar nicht nach drei Stunden, wie ursprünglich geplant, sondern nach knapp viereinhalb :-). Aber...der Weg ist ja schließlich auch ein Teil des Ziels, vor allem, wenn man sich eine Stadt angucken will! Voller Sorgen im Hotel angekommen, fand ich die zwei Hühnerschrecker noch im tiefsten Schlaf und den süßesten Träumen, was mich allerdings keineswegs davon abhielt, sie zu wecken (*har har*) und wir gingen (mit Zwischenstopp am Busbahnhof zum Ticketkauf) essen in einem chinesischen Fast-Food-Nudel-Restaurant. Dort bestellte ich unter anderem eine Cola, die lange Zeit nicht kam. Auf unsere Nachfrage, was denn mit der Cola loswäre sagte die Kellnerin nur:"Ja, Cola gibts hier nicht, deswegen hab ich euch einfach mal ne Sojamilch gebracht!" Die Milch hatte sie tatsächlich gebracht (echt lecker, wir hielten es aber mehr für eine Art Vorspeise, die im Menü inbegriffen ist), trotzdem wunderte ich mich etwas...Bitte auf keinen Fall sagen, daß es keine Cola gibt, lieber sich irgendwas ausdenken und das bringen! Um nicht wieder alles zu sehen, was ich am Vormittag schon besichtigt hatte, lotste ich die zwei Jungs eine etwas andere Route, mit etwa dem gleiche Ziel, nur über eine andere große Shoppingstraße und in ein anderes, noch siffigeres "Wohnviertel". Ich und Gero hatten jede Menge Spaß und fanden alles sehr interessant, Daniel aber meckerte von Anfang an über Dreck und Gestank und hatte bald genug. Als wir schließlich wieder am Wasser angekommen waren, verließ er uns unter fadenscheinigen Erklärungen, wir gingen richtung Süden am Fluß entlang in den Binjiang-Park, eine wirklich hübsche und moderne Parkanlage entlang des Flusses, allerdings fand ich die schneebedeckten Palmen etwas eigenartig. Auf dem Weg dorthin gab es wieder zahlreiche Gebäude, die von aus der Kolonialzeit stammen, unter anderem die Bank of New York (siehe Fotos). Wir gingen durch den Park bis wir den Pflichtteil (ein weiteres Denkmal für den Hochwasserschutz mit einem weiteren Porträt des herrlichen Superstars Mao) erledigt hattten. Gero erfreute sich sehr an dem Schnee der überall lag, nahm Schollen von den Hecken und führte lange aus, daß man doch so herrlich sehen könne, wann es wieviel geschneit hätte und wann es etwas wärmer gewesen sei und deshalb der Schnee angetaut sein...ein Traum! Gegenüber des Wuhaner Talentmarktes (fragt bitte nicht, was das ist und woher der Name kommt!) fanden wir ein nettes Cafe und ließen uns nieder, um das weitere Vorgehen zu besprechen und uns ein wenig aufzuwärmen. Frisch gestärkt gingen wir noch am alten französischen Bahnhof vorbei (ein putziges kleines Gebäude, das irgendwie fehl am Platze wirkt in einer chinesischen Millionenstadt) und fuhren dann zurück ins Hotel, wo Daniel schon wartete und sich mopste. Er eröffnete uns gleich, daß er schon am übernächsten Tag aus Wuhan fahren will und schon einen Flug fest gemacht hätte und daß er nicht mit zum Staudamm kommen wolle, er hätte ja noch soooo viel zu erledigen (zwei Telefonate führen, ein Buch kaufen)...sein Verlust! Ich traf mich an dem Abend noch mit Cloudy, einer Freundin die ich in Peking kennengelernt hatte und die jetzt in Wuhan arbeitete und stand am nächsten Morgen sehr früh mit Gero auf, um zum Staudamm zu kommen. Der Bus nach Yichang fuhr knapp vier Stunden, von denen ich die meiste Zeit schlafend verbrachte, in Yichang bekamen wir auch gleich den Anschlussbus zum Staudamm und fuhren wieder eineinhalb Stunden durch die chinesische Pampa, wovon eine halbe Stunde nur um den Staudamm herum ging. Als der Bus dann hielt, stellten wir fest, daß wir gar nicht an dem Touristenzentrum waren, sondern zu weit gefahren waren. Trotzdem fanden wir einen netten Chinesen mit Minibus, der - nachdem wir seine englischsprechende Tochter abgeholt hatten - uns so nah an den Staudamm brachte, wie es möglich war. Der Staudamm selber hat mich wenig beeindruckt, teils lag es wohl daran, daß das Wetter und somit die Sicht nicht besonders war, teils wohl auch daran, daß man so weit weg ist und daß von den 180 Metern, die überall als Höhe angegeben sind, 60 unterwasser sind...Alles in allem waren wir glaube ich beide ein wenig entäuscht, wäre ich nicht hingefahren, hätte ich mich aber bestimmt geärgert. Nach einem kleinen Snack versuchten wir noch nachträglich zu der Touristelle zu kommen, gingen aber touristenfangenden Busfahrern ins Netz, die uns eine Haltestelle fuhren und dann eine Dame einsteigen ließen, die uns eine ausgedehnte Sightseeingtour in ihrem Privatwagen anbot. Wir versuchten ihr stundenlang klarzumachen, daß wir eigentlich nur in die Stadt unterhalb des Staudammes wollten um dort noch zwei, drei Fotos zu schießen, sie bestand aber darauf, daß das nicht gut sei. Ettliche Mitreisende schalteten sich ein und bequatschten uns, was wir selbstverständlich nicht verstanden, gegen Ende der Konversation waren aber alle Chinesen der Ansicht (wohl auf Grund der Brocken, die ich aufschnappte, verstand und ablehnte), daß ich sehr wohl alles verstand, nur immer "Bu mingbai" (ich verstehe nicht) sagte, wenn es darum ging, Geld auszugeben :-). Der langen Rede kurzer Sinn: Wir wechselten den Bus und überlegten, einfach unterhalb des Staudammes auszusteigen und den nächsten Bus zu nehmen, der kommt, nachdem wir unsere Fotos gemacht hatten, was wir dann allerdings verwarfen, das Wetter wurde zunehmend schlechter und die Zeit war mittlerweile doch schon sehr fortgeschritten. Wir knippsten also noch ein Bisschen aus dem Bus und waren dann wieder auf dem Weg in Richtung Yichang. Dort angekommen, stellten wir fest, daß wir nicht dort waren, wo wir eigentlich hinwollten, eine aufgeregte Menschenmenge hatte sich schnell um uns versammelt und versuchte zu helfen. Nach der ersten Schrecksekunde (ich hatte einen Busfahrer falsch verstanden und dachte, daß wir in der falschen Stadt seien) stellte sich heraus, daß wir lediglich am falschen Busbahnhof waren und es fand sich ein junger Mann, der uns ganz allein in seinem Bus die fünf Minuten zum richtigen Busbahnhof fuhr. Dort hatten wir noch genug Zeit um im Restaurant zum Goldenen M ein Abendessen einzunehmen, Bier zu bunkern und stiegen dann in den Bus ein. Nach einem Bierchen streckte ich mich auf der letzten Bank des fast leeren Busses aus und wurde irgendwann von Gero geweckt, ich hatte tatsächlich viereinhalb Stunden durchgeschlafen. Mitten in der Nacht am Bahnhof kauften wir noch Zugtickets, Gero für den gleichen Tag (wir waren so gegen ein Uhr wieder in Wuhan), ich erst für den Abend des darauffolgenden Tages, ich wollte mit Cloudy noch einen Tag Sightseeing machen. Am nächsten Tag ging Daniel schon sehr früh zum Flughafen, ich ging mit Gero und Cloudy Mittagessen und wir fuhren noch ein wenig durch die Stadt, bevor auch Gero zum Zug mußte. Nach dem Abendessen und ein wenig Spatzierengehen war ich wieder früh müde (die letzten Tage hatten doch ihre Spuren bei mir hinterlassen) und wir entschieden, nicht daß wuhaner Nachtleben zu erkunden. Am nächsten Tag ging ich mit Cloudy ein wenig bummeln in der Stadt und machten Sightseeing light, bis sie mich dann gegen 18 Uhr zum Bahnhof brachte. Der Zug sollte um 19 Uhr abfahren, also wartete ich, bis ich mir dann so gegen zehn nach sieben etwas sorgen machte, und eine nette Bahnhofsangestellte fragte, was denn mit dem Zug los sei. Dabei stellte sich dann heraus, daß der Zug vier Stunden Verspätung hatte. Ich fragte also, ob ich denn wieder aus dem Bahnhof gehen könne und auch wieder problemlos hineinkönne (die Tickets werden in China beim Betreten des Bahnhofs "geknippst"), sie sagte mir, daß das kein Problem sei, aber nicht ratsam, da ich so den Zug verpassen könnte. Ich sagte:"Wenn der Zug jetzt vier Stunden Verspätung hat, dann kann ich doch wohl mal drei Stunden raus und noch was zu Abend essen, oder?" "Ja, können sie schon, aber wenn der Zug kommt..." "Wieviel Stunden Verspätung hat denn der Zug genau?" "Wissen wir nicht!" "Und wo ist der Zug gerade?" "Wissen wir nicht!" "Und wer weiß das?" "Niemand!". Ich beschloss aber, das Wagnis einzugehen und ließ mich von Cloudy wieder abholen, die sich noch eine Telefonnummer von einem Bahnbeamten geben ließ, bei dem wir von da an halbstündlich anriefen, um uns über den aktuellen Stand zu informieren. Nach einem netten Abendessen und einer herrlichen Fußmassage war ich also um 22 Uhr wieder am Bahnhof und wartete auf den Zug...und wartete...und wartete...Zwischendruch freundete ich mich noch mit ein paar Kids an, das Mädel auf dem Foto war schätzungsweise 13, sprach aber schon so gut Englisch, daß wir uns eine ganze Weile unterhielten. Als der Kerl neben mir aufschnappte, daß ich Fahrzeugtechnik studiere zeigte er mir auch seine neugekauften Klimaanlagenteile und sagte mir, daß er mal seinem Freund in Guangzhou bescheid sagt, dann könne ich ja helfen beim Einbau der Teile...lol!!! Nach noch mehr warten und noch mehr Gesprächen war dann endlich der Zug da, ich begab mich in mein Abteil (Softsleeper, nur vier Betten, Tür, und nicht so viel "Pöbel"), das ich mir nur mit einem Vater und seinem Sohn teilen mußte und um sage und schreibe 2:30 setzte sich der Zug endlich in Bewegung!
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Mittwoch, 20. Februar 2008
Urlaub Teil 1: Xi'an
Jetzt habe ich mich endlich einmal aufgerafft und mir vorgenommen, euch ein bisschen was von meinem Urlaub zu erzählen. Aber da man ja klein anfangen soll, gibt es heute Abend nur einen Teil, nämlich die Reise nach Xi'an. Die Gegend von Xi'an ist seit 3000 Jahren Standort der Hauptstädte verschiedener Dynastien, Xi'an selbst wurde 618 von den Tang erbaut und war zu dieser Zeit die größte Stadt der Welt mit über einer Million Einwohnern. Heute ist Xi'an vor allem für die in seiner Nähe gefundene Terrakotta-Armee bekannt.
Wir (Daniel, Gero und ich - Fabian hatte sich in Harbin (mal wieder) eine Bronchitis eingefangen und wollte diese erst einmal auskurieren und später nachkommen) trafen uns am Abend des 25.1., nachdem wir die letzten Tage Wäsche gewaschen, umgepackt und gechillt hatten. Nachdem auch Daniel endlich da war (er hatte noch Probleme bei der Zimmerübergabe) fuhren wir zur Beijing Railway Station, versuchten Fabians Ticket zurückzugeben (was nicht klappte) und bunkerten Bier (Verhandlungstalent David Sontheim!). Da wir mit der U-Bahn an den Bahnhof gefahren waren, hattten wir extra viel Zeitpuffer eingeplant und nach dem ersten Bier auf dem Bahnhofsvorplatz (auf dem die Hölle los war, alle wollten über die Feiertage nach Hause) gingen wir in den Bahnhof, nur um dort festzustellen, daß der Zug nicht angeschrieben war. Ich hatte Daniel (der uns über seine coolen Connections die Tickets besorgt hatte) im Wohnheim zwar gefragt, wo der Zug den abfährt, hatte aber keine Antwort erhalten. Also guckte ich auf das Ticket und stellte fest, daß wir am falschen Bahnhof waren, der Zug fuhr nämlich in Beijing West ab. Wir sputeten uns also aus dem Bahnhof rauszukommen und ein Taxi zu finden (was problemlos war) und sagten dem Taxifahrer, daß er noch einen Zehner extra bekommt, wenn wir in weniger als 20 Minuten an dem anderen Bahnhof sind, die Rushhour bereitete uns nämlich ein wenig Sorgen. Der Verkehr war aber ruhig, der Taxifahrer beeilte sich nicht sonderlich, aber als wir nach 24 Minuten am Bahnhof waren (er wollte uns nicht irgendwo am Eingang rauslassen, sondern bestand drauf, daß er die verstopfte Taxirampe hochfährt), war er tatsächlich etwas maulig, weil er sein Extrageld nicht bekam. Der langen Rede kurzer Sinn: Wir kamen zeitig und ohne Probleme in unseren Zug, fanden unsere Plätze und freundeten uns (ein wenig) mit den Mitreisenden an. Allerdings war es nicht so lustig wie das letzte mal nach Harbin, wenn man Daniel dabei hat, reden alle nur mit ihm und die Neugier ist nicht so groß. Dementsprechend unspektakulär war die Zugfahrt, wir soffen uns schön einen an und gingen dann ins Bett. In Xi'an wurden wir direkt von zwei charmanten jungen Damen in Empfang genommen, die den Abholservice unseres Hotels darstellten, sie halfen uns auch, Tickets für die Weiterfahrt zu kaufen. In China kann man Tickets immer nur an dem Bahnhof kaufen, von dem man losfährt, je nach Stadt drei bis fünf Tage im Vorraus. Da wir natürlich in der Hauptreisezeit unterwegs waren (ihr habt es bestimmt alle im deutschen Fernsehen gehört), war es immer etwas spannend, Tickets zu bekommen. Wir bekamen auch keine Tickets für den eigentlich geplanten Zug (28.01. abends im Liegewagen), sondern nur einen Zug an dem gleichen Tag früh morgens. Immerhin war das auch ein Liegewagen, was für eine Zugfahrt von 13 Stunden natürlich angenehmer ist als Sitzen. Direkt am Bahnhof sah man schon die mächtige Stadtmauer, die in einem großen Rechteck auf 12 Kilometern länge den gesamten alten Stadtkern umgibt, oben gut 12 Meter breit ist und von vier mächtigen Stadttoren durchbrochen ist. Das Hostel war klasse, sauber und gut ausgestattet, mit vielen Annehmlichkeiten und Angeboten sowie freundlichem Personal. Es liegt direkt am Südtor mitten in der Altstadt in einem alten chinesischen Gebäude, richtig mit Innenhöfen. Mitten ins Herz trafen uns gleich die Viecher die dort rumliefen, eine Katze (siehe Fotos), sowie drei Hunde (ein alter Golden Retriever und ein junger, sowie ein weiterer Welpe, der etwas nach Rottweiler aussah). Wir legten kurz unser Gepäck ab und machten uns frisch und gingen dann direkt Sightseeing. Die Stadt ist wirklich hübsch, zwar sind auch hier wieder hunderttausendmillionen Autos auf riesigen Straßen durch die Stadt unterwegs, aber es ist den Städteplanern besser geglückt, die modernen Gebäude so ins Stadtbild einzupassen, daß sie nicht deplaziert neben den historischen Gebäuden wirken. Unsere erste Station war der Glockenturm, direkt auf der Kreuzung der Zwei großen Straßen, die die vier Tore miteinander verbinden. Wie in Europa wurde die hiesige Glocke genutzt, um die Zeit anzugeben. Unweit des Glockenturms liegt der Trommelturm, auch er zeigte die Zeit an, indem die riesige Trommel (die heute leider nicht mehr existiert) das Ende des Tages angab. Nachdem wir durch beide Türme gelaufen waren und sie und die darin befindlichen Ausstellungen gebührend bewundert hatten, gingen wir ins Moslemviertel im Westen der Altstadt und direkt am Trommelturm. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zum Mittagessen Döner zu essen. Aber anscheinend hatte ich wohl vergessen, daß Döner eine eher deutsche Spezialität ist und daß "Moslem" nicht immer gleich "Türke" bedeutet. Nichtsdestowenigertrotz liefen wir lange durch das Moslemviertel (in Xi'an ist die größte Gemeinde der chinesischen muslimischen Minderheit), es war sehr interessant: Überall Fressbuden, kleine Märkte und alles voller Leben. Zwar war alles sehr schmutzig und matschig (durch den Schnee) aber wir hatten trotzdem viel Freude. Nach ettlichen Metzgereien (siehe Fotos) und Ständen mit gefälschter Markenkleidung erreichten wir schließlich die Große Moschee, die aber so gar nicht wie eine Moschee aussieht, sondern eher an einen chinesischen Tempel oder Palast erinnert. Das einzige, was auf Moschee hindeutet sind die Inschriften in arabischer Schrift, die Halbmonde, die überall aufgemalt sind und die alten Herren in arabisch anmutender Tracht, komplett mit kleinem Hütchen (wie auch immer es heißt). Nach der Großen Moschee zogen wir noch etwas durch das Moslemviertel, kamen mehr zufällig noch an der West Moschee vorbei (die auch wirklich wie eine aussieht), hatten dann aber genug und wirklich Hunger, es war ja schon Mittagszeit und wir hatten außer Trockenfrüchten und Kaffee nichts im Bauch. Wir suchten uns also ein Restaurant und fanden auch schnell eins, daß unser Interesse weckte, es warb nämlich mit Hund. Wir bestellten reichlich, unter anderem Hund (für die anderen zwei das erste Mal) und freundeten uns mit dem Wirt an, lächelten der hübschen Kellnerin zu und gingen dann (an einer katholischen Kirche vorbei, die nirgends eingezeichnet ist und leider zu war) zurück ins Hostel, wo wir wieder ein wenig ruhten. Danach hatten wir uns vorgenommen, die Stadt auf der Stadtmauer mit dem Fahrrad zu umrunden. Als wir aber auf der Mauer waren (der Eingang war direkt am Südtor, einen Steinwurf von unserem Hostel), bekamen wir gesagt, daß der Fahrradverlei aufgrund der zweieinhalb Zentimeter Neuschnee eingestellt sein und daß auch keine Elektroshuttles mehr führen. Es blieb somit als einzige Alternative der Fußmarsch. Schon nach fünf Minuten auf der Mauer wollte Daniel schon wieder absteigen und blieb an jeder Treppe nach unten stehen, wir zogen ihn aber immer weiter. Überall auf der Mauer waren schon Vorbereitungen für das anstehende Neujahrs- und Laternenfest im Gange und überall dort, wo nicht gerade Schnee geschippt wurde, wurden Lampen aufgehängt und Figuren aus bespanntem Draht aufgestellt. Wir hatten unsere helle Freude an dem Schnee, besonders Gero, wie das Video dokumentiert. Die Mauer ist wirklich beeindruckend, alle paar Meter steht ein Wachhaus oder ein Turm oder eine Bogenschützenbaracke, ich kam nicht umhin zu denken, daß es sehr gut ist, daß China so weit von Deutschland weg ist. Wenn wir im Mittelalter mal auf die Idee gekommen wären, Xi'an anzugreifen, hätten wir uns wohl schön blamiert :-) . Wir umrundeten ein Viertel der Stadt gegen den Uhrzeigersinn und stiegen am Osttor (das noch beeindruckender und bedrohlicher ist als das Südtor, das eher repräsentativ-gefällig wirkt) wieder ab. Nachdem wir noch einen Tempel gesucht hatten, ihn aber nicht fanden, dafür auf einen anderen stießen (alles voller Nonnen mit kahlgeschorenen Köpfen), nahmen wir den Kaffee in einem sehr noblen Kaffee (immer noch günstiger als Starbucks), lernten noch einen Geldsammler kennen (den wir ursprünglich für einen Geldwäscher hielten) und gingen dann zurück ins Hostel. Nach einer weiteren kurzen Ruhepause wollte ich noch zu den zwei Wildganspagoden, die wir allerdings nicht fanden (also nicht direkt, wir liefen in großem Bogen um sie herum, fanden nur einfach den Eingang nicht). Nach einem (zu) langen Spatziergang im einsetzenden Schneetreiben durch das wohl unspektakulärste Viertel Xi'ans und gingen dann (nach einigen "Findungs- und Entscheidungsschwierigkeiten") in einem koreanischen Restaurant essen. Danach ging Daniel heim, ich und Gero suchten die Bar-Street auf, die wir vorher schon bei Tageslicht in Augenschein genommen hatten. Dort lernten wir bei guter Lifemusik und günstigem importierten Bier eine sehr nette Deutsche (www.annettschlenker.de) sowie ihren britischen Freund (www.thezig.co.uk) kennen, die beide auf einer Rundreise durch Asien waren und sehr auf das kalte Wetter in China schimpften. Gegen Ende des Abends holten uns noch ein paar Chinesen zu sich an den Tisch, die waren ganz schön wild drauf, hauten sich ordentlich weg und verloren auch gerne mal Eheringe und hauten ihre Handys auf den Boden! Nachdem auch wir genug hatten gingen wir "heim", klopften Daniel aus dem Bett (was der voll super fand!) und legten uns hin, um für den nächsten Tag fit zu sein. Wir wollten nämlich zur berühmten Terrakotta-Armee. Wir standen also zeitig auf, fuhren mit dem Taxi zum Bushof (direkt am Bahnhof), wimmelten die Minibusfahrer ab und fanden ohne Probleme den Linienbus, der zur Armee fuhr. Während Daniel und Gero noch ein Schläfchen hielten, saß ich wache und guckte aus dem Fenster. Zu Ehren der Armee haben die Chinesen um deren Fundstelle ein riesiges Besuchs- und Touristenzentrum errichtet, alles gut organiesiert, jedoch muß man von der Bushaltestelle und den Eingängen erst einmal stundenlang durch einen Park laufen, bis man schließlich (nach einer weiteren Kartenkontrolle) auf dem eigentlichen Gelände ist, auf dem über den Fundstellen (die Terrakottaarmee wurde zufällig von drei Bauern entdeckt, die einen Brunnen graben wollten. Aufzeichnungen über sie existieren nicht) riesige Hangars errichtet worden sind und ein großen Ausstellungszentrum eingerichtet worden ist. Die Armee ist wirklich beeindruckend, so viele Tonfiguren und auch, wenn einem bekannt ist, daß sie alle verschieden aussehen, so wirkt es doch ganz anders, wenn man "in echt" daran vorbeigeht und man hat fast das Gefühl, an echten Menschen vorbeizugehen. Besonders beeindruckend fand ich auch die Pferde. Nachdem ich durch zwei der drei "Pits" gelaufen war (die dritte, die wohl die interessantesten Exponate beherbergt hatte geschlossen) und mir auch das Museum angeguckt hatte, in dem unter anderem zwei Pferdewagen im Maßstab 1:2 ausgestellt sind, die im Mausoleum von Qin Shi Huang gefunden wurden, hatte ich genug vom Herumlaufen im Naßkalten (die Hangars waren nicht beheizt und das Museum war auch nicht wirklich warm) und wir gingen einen Kaffee trinken. Auch der Weg nach draußen zog sich wieder, diesmal wurde man durch ein Gebiet voller Souvenirshops und Pelzhändler gelots, die wir jedoch alle abwimmelten. Der Rückweg mit dem Bus zog sich sehr, wir hatten eine ander Buslinie erwischt als auf dem Hinweg und zuckelten durch jedes Dorf zwischen Terrakottaarmee und Xi'an. Wir waren froh, daß wir Sitzplätze hatten, wurde der Bus doch relativ schnell relativ voll. An jeder Haltestelle wurden noch mehr Leute reingequetsch, bis schließlich die meisten Leute auf dem Gang dicht gedrängt standen. Auf einmal wurde die Schaffnerin (die sowieso schon sehr laut und unwirsch war) sehr hektisch und gebot allen Stehenden, sich zwischen die Sitze zu ducken. Wir wunderten uns zunächst, doch nur wenig später passierten wir eine Polizeistreife, die am Straßenrand geparkt war :-). Wieder in Xi'an nahmen wir ein schnelles Mittagessen zu uns in einem Nudel-Fast-Food-Restaurant (wirklich nicht schlecht) und gingen dann ins Historische Museum der Provinz Shaanxi, das wirklich sehr sehr gut gemacht und interessant war und einen lehrreichen Abriß der Geschichte dieser Region von den ersten "Höhlenmenschen" über die Seidenstraßenzeit und die Hochzeit der chinesischen Dynastien bis hin zur Gegenwart gab. Danach gingen wir ausgezeichnet essen in einem Restaurant gleich um die Ecke des Hostels (empfohlen von einem der Mädels aus dem Hostel, die sich wohl in unseren Daniel verguckt hatte) und machten uns dann "discofein", wir wollten ja neben aller Kultur auch das Nachtleben ein wenig erkunden. Abgesehen von den Tänzerinnen, die jede Stunde kurz auftraten (herrlich!!!) und homosexuellen Chinesen, die sich an uns ranmachten war der Besuch im sehr männerlastigen "1+1" bis zum Schluss nicht wirklich spektakulär. Auf dem Weg nach draußen hatten wir gerade unsere Jacken geholt als ein Pärchen laut zeternd an uns vorbeilief und der augenscheinlich sehr sehr betrunkene Kerl seine Freundin erstmal auf den Boden schleuderte. Ohne zu Zögern packte er sie daraufhin bei den Haaren und begann, sie die Treppe herunterzuziehen, was sie natürlich eher mittelgut fand. Ich versuchte, dazwischen zu gehen, gab aber ein etwas trauriges Bild ab, da ich dabei auf der Treppe ausrutschte, bekam ihn aber aus den Haaren seiner Freundin. Er bedankte sich dafür mit einem lauten "Fuck You!". Mittlerweile war auch die Security zur Stelle, die ihn zwar festhielt, er hatte aber trotzdem noch Gelegenheit, seiner Alten zwei zu ballern, bevor er in ein Taxi gesetzt wurde...muß Liebe schön sein. Wieder im Hostel packen wir unseren Kram zusammen und hauten uns noch ein wenig hin, am nächsten Morgen mußten wir ja zeitig zum Zug. Nachdem wir also ausgecheckt hatten fuhren wir zum Bahnhof, nur um dort festzustellen, daß unser Zug ausgefallen war. Also Tickets zurückgeben, neue Tickets kaufen (und dabei hatten wir noch Glück, zwar bekamen wir nur Sitzplätze, dafür aber am nächsten Tag!) und dann wieder zurück ins Hostel. Die so gewonnene Zeit nutzen wir, indem wir uns noch einmal auf den Weg machten, die zwei Pagoden zu besuchen, diesmal nahmen wir aber ein Taxi, das uns direkt zum Eingang fuhr. Die Kleine Wildganspagode (die die größere der zwei ist) bestiegen wir und genossen den Blick über die Stadt. Nach einem ausgedehnten Spatziergang durch die Nachbarschaft kamen wir an den Daxingshan Si, den einzigen buddhistischen Tempel Xi'ans. Besonders beeindruckend war gleich der erste Raum, hier wurde in sehr kunstvollen und farbenfrohen Figuren dokumentiert, was einem denn so alles blüht, wenn man sich auf dieser Erde nicht ordentlich benimmt. Es wurden Leute zermahlen, zerstückelt, aufgeschlitzt, gekocht, durch den Fleischwolf gedreht, enthauptet, gebraten und was weiß ich nocht, alles unter den Blicken der Heiligen. Wir standen gut 20 Minuten in dem Raum und bestaunten alles, leider hab ich mich vor lauter Fegefeuer (und Aufpassermönchen) nicht getraut, Fotos zu machen. Wer aber mal nach Xi'an kommt, sollte da auf jeden Fall mal hingehen: Daxingshan Si, gleich am Eingang das erste Häuschen links! Überhaupt war der Tempel sehr kunstvoll ausgeschmückt, lange Korridore mit Wandreliefs in bunten Farben, die wohl das Leben des Buddhas dokumentieren sowie Geschichten aus der chinesischen Mythologie erzählen, diesmal war kein Aufpasser da, daher die Fotos. Danach fuhren wir mit dem Taxi zur Großen Wildganspagode (die die kleinere der zwei Pagoden ist), sie hatte allerdings schon geschlossen und wir konnten sie nur aus der Ferne angucken. Um sie herum und den Tempel, der sie umgibt, hat die Stadt ein großes Touristenzentrum errichtet, aber alles sehr schön stimmig mit den alten Gebäuden im klassisch chinesischen Stil. Nachdem wir uns auch dort genug umgesehen hatten gingen wir zurück ins Hostel, wo kurz darauf mein Masseur, den ich bestellt hatte, auftauchte und mich eine Stunde lang schön durchknetete, was Daniel anscheindend so unangenehm war, daß er, kaum daß der Masseur da war, das Zimmer verließ. Außer Abendessen und einem kurzen Abstecher in die (wirklich ausgezeichnete) Hostelbar machen wir an diesem Abend nichts mehr und schliefen am nächsten Tag etwas länger, hatten wir doch nichts zu tun (oder wollten nichts mehr machen) als auf den Zug am Nachmittag zu warten. Nach einem herrlichen Kuchenfrühstück und nachdem wir das Geld für das Hostel in Sanya überwiesen hatten, tigerten wir ein wenig durch die Shoppingmalls und gingen schließlich zum Bahnhof, wo wir kurz darauf unseren Zug bestiegen. Die Zugfahrt war so-la-la, wir hatten nur Hardseats (vergleichbar mit Regionalzügen in Deutschland), alles war voller Bauern, die fröhlich rotzten und rauchte. Die ersten zehn Stunden vergingen einigermaßen, allerdings zog es sich dann, da man müde war, aber auf den Sitzen nicht wirklich schlafen konnten. Wir waren also entsprechend froh, als wir in den frühen Morgenstunden (ich glaube es war gegen 5) im dreckigen, lauten und a****kalten Wuhan ankamen.
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