Als erstes versuchten wir in Wuhan, da wir ja noch am Bahnhof waren, die Karten für die Weiterfahrt nach Guangzhou zu kaufen. Nach einem länglichen Fußmarsch durch und über und um den Bahnhof bzw. die Baustelle, die bald mal der neue Bahnhof werden soll fanden wir den Ticketschalter und fanden heraus, daß man in Wuhan die Tickets nur jeweils am Vortag kaufen kann...tolle Wurst. Also setzten wir uns in ein Taxi und fuhren in die Nähe des Hostels (wir dachten ja, es sei direkt vor der Tür des Hostels). Nach einer halben Stunde Hin-und-her-Irren durch das Schneetreiben (in Wuhan lag alles voller Schnee und es schneite reichlich in dicken Flocken) fanden wir dann endlich das Hostel (herrlich versteckt abseits der Hauptstraße), nur um dort festzustellen, daß alle anscheindend noch schlafen. Wir machten es uns so bequem wie möglich in der kalten und ungeheizten Lobby (es gibt wohl die Regelung in China, daß alles, was südlich vom Yangzi liegt, keine Heizung braucht (hat die KP so beschlossen!), daher hatte das Hostel auch keine Heizung) und warteten. Es kam auch recht bald eine junge Dame, die aber wohl neu war und mit unserer Reservierung etwas überfordert war. Nachdem wir uns einen Kaffee aus frischgemahlenen Kaffeebohnen in der Turbokaffeemaschine (siehe Bilder) hatten machen lassen, eröffnete sie uns, daß es im ganzen Hostel kein warmes Wasser gebe, was wir natürlich bei gefühlten -10° Außentemperatur und ungeheizten Zimmern etwas doof fanden. Daniel hängte sich also - angeleitet durch den Reiseführer - ans Telefon, während ich versuchte, Informationen über den geplanten Ausflug zum Staudamm zu bekommen. Nach einiger Zeit fand daß Mädel raus, daß es keine Ausflugsschiffe gibt und daß der Busverkehr höchstwahrscheinlich eingestellt sei. Inzwischen hatte Daniel auch ein anderes Hotel gefunden (Preis stimmte und sie hatten uns am Telefon versichert, daß sie sowohl eine Heizung als auch warmes Wasser hätten!), wir entschuldigten uns bei dem Mädel für Mühe, die wir gemacht hatten und fuhren per Taxi auf die andere Seite des Flusses. In Wuhan drohte zu diesem Zeitpunkt der Verkehr zu kollabieren, ähnlich wie in Deutschland verlernen die Leute in China nämlich auch bei 10 Zentimetern Neuschnee schlagartig das Autofahren. Wir sahen im Vorbeifahren auch den "Winterdienst", er bestand aus einem Pritschenwagen, auf dessen Ladefläche säckeweise Salz stand auf/neben denen vier mindergutgelaunte Chinesen saßen, die das Salz etwas unmotiviert in großen Klumpen mit bloßen Händen auf die Fahrbahnmarkierung zwischen den Spuren warfen...Respekt! Am Hotel angekommen legten sich die zwei kleinen erstmal ins Bett, ich startete gleich einen Rundgang durch die Gemeinde. Erste Amtshandlung: Organisation der Busfahrt zum Staudamm! Die Dame an der Rezeption sagte mir sofort, daß natürlich kein einziger Bus mehr ginge, bei dem Schneetreiben sei das ja ein Ding der Unmöglichkeit (inzwischen hatte sich der "Schneesturm" vom frühen Morgen in Strahlenden Sonnenschein und Tauwetter gewandelt). Ich ging nur wenige Schritte vom Hotel weg, direkt ins Geschäftszentrum von Wuhan und stand dort direkt vor dem Busbahnhof, von dem die Busse - oh Wunder! - im Fünfminutentakt abfuhren, jede halbe Stunde auch nach Yichang, der Verteilerstadt auf dem Weg zum Staudamm. Tickets gab es, Busse fuhren, alles prima! Da wir wegen der Zugtickets nicht sicher waren informierte ich mich auch vorsorglich über Flugtickets, fand aber nichts Günstigeres als das, was die Hotelangestellten Daniel zuvor schon gesagt hatten. Danach spatzierte ich ein wenig durch die Stadt, Wuhan ist nicht unbedingt die schönste Stadt oder die sehenswerteste, ich fand aber trotzdem ein paar nette Ecken, vor allem in der Chezan Lu, der Shoppingmeile von Wuhan, in der noch viele Gebäude davon zeugen, daß hier einst das Kolonialviertel war. Interessant war auch die Tatsache, daß es in dieser Straße im Großen und Ganzen eigentlich nur fünf oder sechs verschiedene Geschäfte gibt, zwei Sportartikelgeschäfte (davon ein bekanner deutscher mit drei Streifen im Logo) und drei verschiedene Modehäuser (so etwas wie die chinesischen Versionen von H&M, bei denen ich aber bisher immer gerne eingekauft habe), die sich auf der 500 Meter langen Straße in wechselnder Reihenfolge wiederholen. Besonders erwähnen möchte ich auch die Wuhaner Mädels, bisher habe ich in noch keiner chinesischen Stadt so viele hübsche Mädels gesehen (nein, auch nicht in Shanghai, und schon gar nicht in Hongkong!), die sich auch alle fast den Hals ausrenkten vor lauter gucken. Anscheinend verirren sich nämlich nur wenige westliche Touristen nach Wuhan (ich habe in den Tagen in Wuhan nur einen einzigen gesehen, der nicht Daniel oder Gero hieß und mich nicht aus dem Spiegel anguckte), und so genießt man hier noch gut 120% Ausländerbonus :-) . Nachdem ich einige laut meines Reiseführers historisch wertvolle Gebäude beguckt hatte fand ich mich selbst am Ufer des Yangzi wieder, sah direkt die wohl drei letzten Yangzi-Flußdelfine (allerdings nur als Bronzedenkmal) und versuchte, etwas ans Wasser zu kommen. Leider nahm ich die Bezeichnung des Ufers als "Bund" (britische Bezeichnung für eine befestigte Uferanlage) etwas zu "shanghaierisch" (dort ist der Bund nämlich als Flaniermeile bekannt), in Wuhan ist alles zugebaut mit Lagerhallen und Frachtterminals, ich sah also nichts vom Fluß, bis ich einfach mal ganz dreist zwischen zwei LKW durch ein Tor ging und mich zwischen Hafenarbeitern und Gabelstaplern wiederfand, allerdings direkt am Wasser. Leider war es etwas diesig, deswegen sind die Bilder nicht so toll, ich fand den Fluß aber allein schon seiner Größe wegen durchaus beeindruckend und schaute für eine ganze Weile dem geschäftigen Hafentreiben zu. Nachdem ich noch ein wenig am Fluß in Richtung Süden gelaufen war, bog ich wieder nach Westen in die Stadt ein, mittlerweile war ich schon zweieinhalb Stunden unterwegs und fand, es sei an der Zeit, die zwei kleinen Schweinchen wachzuküssen. Ich dachte mir, es sei wohl eine schlaue Idee, nicht die lauten und verstopften Hauptstraßen zu nehmen sondern ging etwas in die kleinen Gässchen hinein. Es war wirklich cool, zwar supersiffig (alles ölig-schmierig-schneematschig), überall Geschäfte die alles mögliche verkaufen, man bekommt dort wohl alles von Aalködern und Elektro-Material über Jugendbekleidung und Motorersatzteilen bis hin zu Schleifscheiben und Zubehörteile für Fischerboote. Ich war froh, daß ich eine Mütze aufhatte, überall tropfte es nämlich von den Dächern (wie gesagt, Tauwetter!) und überall hing Wäsche oder Fisch an den Stromleitungen, beides zum Trocknen. Allerdings hatte der kleine Exkurs in dei Seitenstraßen zur Folge, daß ich mir bald gar nicht mehr so sicher war, wo ich eigentlich hin mußte, mit vielen Passanten und lang vergessen geglaubten Pfadfinderfähigkeiten ("...wenn da jetzt die Sonne ist, dann ist das wohl die richtige Richtung...") fand ich aber dann doch - mehr schlecht als recht - zurück zum Hotel, zwar nicht nach drei Stunden, wie ursprünglich geplant, sondern nach knapp viereinhalb :-). Aber...der Weg ist ja schließlich auch ein Teil des Ziels, vor allem, wenn man sich eine Stadt angucken will! Voller Sorgen im Hotel angekommen, fand ich die zwei Hühnerschrecker noch im tiefsten Schlaf und den süßesten Träumen, was mich allerdings keineswegs davon abhielt, sie zu wecken (*har har*) und wir gingen (mit Zwischenstopp am Busbahnhof zum Ticketkauf) essen in einem chinesischen Fast-Food-Nudel-Restaurant. Dort bestellte ich unter anderem eine Cola, die lange Zeit nicht kam. Auf unsere Nachfrage, was denn mit der Cola loswäre sagte die Kellnerin nur:"Ja, Cola gibts hier nicht, deswegen hab ich euch einfach mal ne Sojamilch gebracht!" Die Milch hatte sie tatsächlich gebracht (echt lecker, wir hielten es aber mehr für eine Art Vorspeise, die im Menü inbegriffen ist), trotzdem wunderte ich mich etwas...Bitte auf keinen Fall sagen, daß es keine Cola gibt, lieber sich irgendwas ausdenken und das bringen! Um nicht wieder alles zu sehen, was ich am Vormittag schon besichtigt hatte, lotste ich die zwei Jungs eine etwas andere Route, mit etwa dem gleiche Ziel, nur über eine andere große Shoppingstraße und in ein anderes, noch siffigeres "Wohnviertel". Ich und Gero hatten jede Menge Spaß und fanden alles sehr interessant, Daniel aber meckerte von Anfang an über Dreck und Gestank und hatte bald genug. Als wir schließlich wieder am Wasser angekommen waren, verließ er uns unter fadenscheinigen Erklärungen, wir gingen richtung Süden am Fluß entlang in den Binjiang-Park, eine wirklich hübsche und moderne Parkanlage entlang des Flusses, allerdings fand ich die schneebedeckten Palmen etwas eigenartig. Auf dem Weg dorthin gab es wieder zahlreiche Gebäude, die von aus der Kolonialzeit stammen, unter anderem die Bank of New York (siehe Fotos). Wir gingen durch den Park bis wir den Pflichtteil (ein weiteres Denkmal für den Hochwasserschutz mit einem weiteren Porträt des herrlichen Superstars Mao) erledigt hattten. Gero erfreute sich sehr an dem Schnee der überall lag, nahm Schollen von den Hecken und führte lange aus, daß man doch so herrlich sehen könne, wann es wieviel geschneit hätte und wann es etwas wärmer gewesen sei und deshalb der Schnee angetaut sein...ein Traum! Gegenüber des Wuhaner Talentmarktes (fragt bitte nicht, was das ist und woher der Name kommt!) fanden wir ein nettes Cafe und ließen uns nieder, um das weitere Vorgehen zu besprechen und uns ein wenig aufzuwärmen. Frisch gestärkt gingen wir noch am alten französischen Bahnhof vorbei (ein putziges kleines Gebäude, das irgendwie fehl am Platze wirkt in einer chinesischen Millionenstadt) und fuhren dann zurück ins Hotel, wo Daniel schon wartete und sich mopste. Er eröffnete uns gleich, daß er schon am übernächsten Tag aus Wuhan fahren will und schon einen Flug fest gemacht hätte und daß er nicht mit zum Staudamm kommen wolle, er hätte ja noch soooo viel zu erledigen (zwei Telefonate führen, ein Buch kaufen)...sein Verlust! Ich traf mich an dem Abend noch mit Cloudy, einer Freundin die ich in Peking kennengelernt hatte und die jetzt in Wuhan arbeitete und stand am nächsten Morgen sehr früh mit Gero auf, um zum Staudamm zu kommen. Der Bus nach Yichang fuhr knapp vier Stunden, von denen ich die meiste Zeit schlafend verbrachte, in Yichang bekamen wir auch gleich den Anschlussbus zum Staudamm und fuhren wieder eineinhalb Stunden durch die chinesische Pampa, wovon eine halbe Stunde nur um den Staudamm herum ging. Als der Bus dann hielt, stellten wir fest, daß wir gar nicht an dem Touristenzentrum waren, sondern zu weit gefahren waren. Trotzdem fanden wir einen netten Chinesen mit Minibus, der - nachdem wir seine englischsprechende Tochter abgeholt hatten - uns so nah an den Staudamm brachte, wie es möglich war. Der Staudamm selber hat mich wenig beeindruckt, teils lag es wohl daran, daß das Wetter und somit die Sicht nicht besonders war, teils wohl auch daran, daß man so weit weg ist und daß von den 180 Metern, die überall als Höhe angegeben sind, 60 unterwasser sind...Alles in allem waren wir glaube ich beide ein wenig entäuscht, wäre ich nicht hingefahren, hätte ich mich aber bestimmt geärgert. Nach einem kleinen Snack versuchten wir noch nachträglich zu der Touristelle zu kommen, gingen aber touristenfangenden Busfahrern ins Netz, die uns eine Haltestelle fuhren und dann eine Dame einsteigen ließen, die uns eine ausgedehnte Sightseeingtour in ihrem Privatwagen anbot. Wir versuchten ihr stundenlang klarzumachen, daß wir eigentlich nur in die Stadt unterhalb des Staudammes wollten um dort noch zwei, drei Fotos zu schießen, sie bestand aber darauf, daß das nicht gut sei. Ettliche Mitreisende schalteten sich ein und bequatschten uns, was wir selbstverständlich nicht verstanden, gegen Ende der Konversation waren aber alle Chinesen der Ansicht (wohl auf Grund der Brocken, die ich aufschnappte, verstand und ablehnte), daß ich sehr wohl alles verstand, nur immer "Bu mingbai" (ich verstehe nicht) sagte, wenn es darum ging, Geld auszugeben :-). Der langen Rede kurzer Sinn: Wir wechselten den Bus und überlegten, einfach unterhalb des Staudammes auszusteigen und den nächsten Bus zu nehmen, der kommt, nachdem wir unsere Fotos gemacht hatten, was wir dann allerdings verwarfen, das Wetter wurde zunehmend schlechter und die Zeit war mittlerweile doch schon sehr fortgeschritten. Wir knippsten also noch ein Bisschen aus dem Bus und waren dann wieder auf dem Weg in Richtung Yichang. Dort angekommen, stellten wir fest, daß wir nicht dort waren, wo wir eigentlich hinwollten, eine aufgeregte Menschenmenge hatte sich schnell um uns versammelt und versuchte zu helfen. Nach der ersten Schrecksekunde (ich hatte einen Busfahrer falsch verstanden und dachte, daß wir in der falschen Stadt seien) stellte sich heraus, daß wir lediglich am falschen Busbahnhof waren und es fand sich ein junger Mann, der uns ganz allein in seinem Bus die fünf Minuten zum richtigen Busbahnhof fuhr. Dort hatten wir noch genug Zeit um im Restaurant zum Goldenen M ein Abendessen einzunehmen, Bier zu bunkern und stiegen dann in den Bus ein. Nach einem Bierchen streckte ich mich auf der letzten Bank des fast leeren Busses aus und wurde irgendwann von Gero geweckt, ich hatte tatsächlich viereinhalb Stunden durchgeschlafen. Mitten in der Nacht am Bahnhof kauften wir noch Zugtickets, Gero für den gleichen Tag (wir waren so gegen ein Uhr wieder in Wuhan), ich erst für den Abend des darauffolgenden Tages, ich wollte mit Cloudy noch einen Tag Sightseeing machen. Am nächsten Tag ging Daniel schon sehr früh zum Flughafen, ich ging mit Gero und Cloudy Mittagessen und wir fuhren noch ein wenig durch die Stadt, bevor auch Gero zum Zug mußte. Nach dem Abendessen und ein wenig Spatzierengehen war ich wieder früh müde (die letzten Tage hatten doch ihre Spuren bei mir hinterlassen) und wir entschieden, nicht daß wuhaner Nachtleben zu erkunden. Am nächsten Tag ging ich mit Cloudy ein wenig bummeln in der Stadt und machten Sightseeing light, bis sie mich dann gegen 18 Uhr zum Bahnhof brachte. Der Zug sollte um 19 Uhr abfahren, also wartete ich, bis ich mir dann so gegen zehn nach sieben etwas sorgen machte, und eine nette Bahnhofsangestellte fragte, was denn mit dem Zug los sei. Dabei stellte sich dann heraus, daß der Zug vier Stunden Verspätung hatte. Ich fragte also, ob ich denn wieder aus dem Bahnhof gehen könne und auch wieder problemlos hineinkönne (die Tickets werden in China beim Betreten des Bahnhofs "geknippst"), sie sagte mir, daß das kein Problem sei, aber nicht ratsam, da ich so den Zug verpassen könnte. Ich sagte:"Wenn der Zug jetzt vier Stunden Verspätung hat, dann kann ich doch wohl mal drei Stunden raus und noch was zu Abend essen, oder?" "Ja, können sie schon, aber wenn der Zug kommt..." "Wieviel Stunden Verspätung hat denn der Zug genau?" "Wissen wir nicht!" "Und wo ist der Zug gerade?" "Wissen wir nicht!" "Und wer weiß das?" "Niemand!". Ich beschloss aber, das Wagnis einzugehen und ließ mich von Cloudy wieder abholen, die sich noch eine Telefonnummer von einem Bahnbeamten geben ließ, bei dem wir von da an halbstündlich anriefen, um uns über den aktuellen Stand zu informieren. Nach einem netten Abendessen und einer herrlichen Fußmassage war ich also um 22 Uhr wieder am Bahnhof und wartete auf den Zug...und wartete...und wartete...Zwischendruch freundete ich mich noch mit ein paar Kids an, das Mädel auf dem Foto war schätzungsweise 13, sprach aber schon so gut Englisch, daß wir uns eine ganze Weile unterhielten. Als der Kerl neben mir aufschnappte, daß ich Fahrzeugtechnik studiere zeigte er mir auch seine neugekauften Klimaanlagenteile und sagte mir, daß er mal seinem Freund in Guangzhou bescheid sagt, dann könne ich ja helfen beim Einbau der Teile...lol!!! Nach noch mehr warten und noch mehr Gesprächen war dann endlich der Zug da, ich begab mich in mein Abteil (Softsleeper, nur vier Betten, Tür, und nicht so viel "Pöbel"), das ich mir nur mit einem Vater und seinem Sohn teilen mußte und um sage und schreibe 2:30 setzte sich der Zug endlich in Bewegung!
Donnerstag, 21. Februar 2008
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