Sonntag, 18. Mai 2008

Beijing ist 'ne schöne Stadt, ...

...da muß man sich benehmen, drum fahren wir nach Japan und benehmen uns daneben! Nachdem es ja schon im Herbst geplant war, aber uns einfach zu teuer war, hatten wir - nachdem Fabian (korrekterweise seine Eltern) beim Neujahrsdinner im Hyatt in Beijing drei Tage Suite im Regency Hyatt in Osaka für zwei gewonnen hatte, beschlossen, jetzt endlich doch hin zu fahren. Nach einiger Sucherrei fanden wir auch einen Flug, der nicht 400 Euro sondern nur 250 Euro kostete, aber ist ja klar, daß der so günstig ist. Wenn man über Shanghai nach Tokyo fliegt und über Qingdao von Osaka nach Peking zurück kommt, dann ist das natürlich eine viel kürzere Strecke, als direkt zu fliegen und für die Fluglinie wesentlich günstiger! Aber genug gescherzt. Nachdem wir hier eine Woche Ferien gemacht hatten (international labor day) fuhren wir pünktlich, als die meisten unserer Gruppe wieder in Peking eintrudelten, am Freitag Vormittag zum Flughafen. Da wir etwas Sorgen hatten von wegen Rush-hour hatten wir reichlich Zeit einkalkuliert und waren natürlich viel zu früh am Flughafen. Aber kein Problem, dachten wir uns, wir checken ein und trinken dann noch eine Tasse Kaffe oder so. Natürlich hatten wir die Rechnung ohne den Kampf gegen den internationalen Terrorismus gemacht, es war nämlich so, daß man auf dem Weg zum Check-in schon durch eine Sicherheitskontrolle geht. Die bemerkt man zwar nicht, weil einen niemand kontrolliert, wenn man dann allerdings wieder zurück möchte, weist ein netter junger Mann darauf hin, daß das jetzt nicht mehr möglich ist. Also gingen wir weiter, durch die nächste Sicherheitskontrolle - diesmal die richtige - in der Hoffnung, daß in der Abflughalle vielleicht noch das ein oder andere Kaffee zu finden sei. War aber nicht so, wir fanden uns direkt am Gate wieder in einem recht kargen Raum in dem außer den Bänken nur ein Getränkeautomat stand, es blieb uns also nichts anderes übrig, als die verbleibende Stunde dort totzuschlagen. Das große Highlight des Fluges war der Flieger, der nämlich nur halb besetzt war (echt kein Witz), welches Planungstalent da am Werk war...In Shanghai wurden dann die "Weiterflieger" direkt am Gate abgeholt und zu einem netten Spaziergang hinter den Kulissen des Flughafens geführt, wieder durch Sicherheits- und Paßkontrollen, aber schließlich waren wir dann doch im Flieger (wieder nur halb voll) nach Tokyo. In Tokyo waren wir sofort beeindruckt von der Gründlichkeit der Japaner, alles straff organisiert, es steht sogar jemand an der Schlange vor der Paßkontrolle und kontrolliert nochmal, ob auch alle die Zettelchen richtig ausgefüllt haben. An der Paßkontrolle dann hinterlegten wir unsere Fingerabdrücke und wurden geknippst. Nachdem wir Geld abgehoben hatten, versuchten wir das U-Bahn-Fahrkarten-Automaten-System zu knacken, bekamen aber gottseidank Hilfe von einem Japaner. Die nächste Sensation war die U-Bahn, nach acht Monaten ich chronisch überfüllten Beijinger Zügen konnten wir es kaum glauben, daß wir tatsächlich einen Sitzplatz bekamen. Nach einer langen Zugfahrt (der Flughafen liegt 70 Kilometer außerhalb) kamen wir dann endlich im Hotel an, nur um festzustellen, daß unsere Reservierung storniert worden war, obwohl wir bescheid gesagt hatten, daß wir erst so gegen 23 Uhr ankommen würden. Allerdings bekamen wir schnell Ersatz, zwei Einzelzimmer ohne Aufpreis und die Zusage, daß am nächsten Tag ein Doppelzimmer frei würde. Das Zimmer war ein besserer Schuhkarton, allerdings sauber und das Bett bequem, das Bad und die Dusche auf dem Flur aber auch alles sauber. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen und dann sank ich in einen tiefen Schlaf. Der nächste Tag begrüßte uns mit Dauerregen und nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten (gelöst von einem sehr hilfsbereiten Polizisten) und einem Supermarktfrühstück waren wir auch schon auf dem Weg zur nahegelegenen Kaiserstadt. Im Supermarkt hatte ich beschlossen, daß es nicht nötig wäre, einen Regenschirm zu kaufen bei dem Bisschen Regen, als es aber anfing, von meinen Haaren zu tropfen, fing ich an, diese Entscheidung zu bereuen, nur daß es jetzt keine Möglichkeit mehr gab, einen Regenschirm zu kaufen. Die Kaiserstadt war wirklich beeindruckend, alles sehr sauber und gepflegt, natürlich viel kleiner als die Verbotene Stadt in Peking aber ein Traum in grün. Besonders beeindruckt waren wir von den Mauern, die - wie ein Schild erklärte - in einer ganz speziellen Bauweise errichtet waren. Diese Technik besteht darin, daß die Steine aufeinander geschichtet werden...wenn das mal nicht innovativ ist, um eine Mauer zu errichten!!! Da nur die halbe Kaiserstadt zugänglich ist (in der andern Hälfte wohnt ja noch der Kaiser), waren wir ziemlich bald mit unserem Rundgang am Ende und gingen noch ein wenig außen an den Mauern und Gräben entlang, unter anderem am Haupttor vorbei, hinter der sich die jetzige Kaiserresidenz befindet. Endlich ergab sich auch eine Möglichkeit, einen Regenschirm zu kaufen und wir gingen zu McDonalds zum Mittagessen. Aber da wir ja in Japan waren, versuchten wir den Teriaki-Burger, der auch wirklich gut war. Nach dem Mittagessen hatte es aufgehört zu regnen, und ich freute mich sehr über meinen Regenschirm. Wir durchquerten das Regierungsviertel, in dem überall Polizei stand und kamen schließlich zu einem Park, in dem viele Demonstranten standen. Wie uns ein Fotograf erklärte, demonstrierten sie gegen die Aufhebung des Artikel 9 der japanischen Verfassung, die so genannte "No-War"-Klausel. Nach dem sehr ruhigen Regierungsviertel kamen wir langsam in den etwas belebteren Teil Tokyos und näherten uns dem Sony-Center. Nachdem wir dort das Weltkulturerbe in Lego und die vielen Computer, Kameras, MP3-Player und was nicht noch alles bestaunt hatten gingen wir auf die Ginza-Street, die Hauptshoppingmeile, die am Wochenende für den Verkehr gesperrt wird. Dort bummelten wir dann ein wenig, fanden sogar einige deutsche Sachen in Spielwarengeschäften (siehe Bilder) und sahen die Kolonne der Japanischen Nazionalsozialisten. Danach versuchten wir noch, das Tokyo Convention Center zu finden, was aber scheiterte und beschlossen dann, nach einigem Herumstreifen, wieder ins Hotel zu fahren und ein wenig zu ruhen. Dort arbeitete Fabian einen Plan aus für einen Abendspatziergang durch das Rotlichtviertel und wir starteten wieder, nachdem wir unser neues Zimmer bezogen hatten. Leider klappte der Rundwegplan nicht ganz so, da wir schon an der falschen Stelle anfingen, wir sahen aber trotzdem viele Clubs mit Eintrittspreisen nach Zeit gestaffelt, die mit hübschen, leicht bekleideten Mädchen warben, Porno-Videotheken und zahlreiche Herren afrikanischer Herkunft, die uns so ziemlich alles anboten. Wir aßen zum ersten Mal richtig Japanisch, eine Art Eintopf, den man selber macht. Man bekommt einen großen Topf mit Suppenknochen und Gemüse, und läßt den dann am Tisch auf einem Gaskocher köcheln und nagt das Fleisch von den Knochen ab...etwas kompliziert aber gar nicht unlecker. Satt und ausgeruht gingen wir dann noch in die Disco, das berühmte Gaspanic, eine kette von Clubs, die sich vornehmlich an Ausländer richtet. Wir machten uns einen Eindruck der japanischen Baggertaktik (einfach die alte an beiden Händen festhalten und möglichst lange vollquatschen, ob sie will oder nicht) und tanzten die Nacht durch. Als wir um fünf aus dem Club stolperten (sie hatten nämlich die Musik aus und das Licht an gemacht), waren wir sehr erstaunt, daß es schon heller Tag war und nach Frühstück bei McDonalds fuhren wir mit dem Taxi ins Hotel. Nach kurzer Nachtruhe legten wir (leicht angeschlagen) gegen Mittag wieder los. Auf dem Weg zur U-Bahn kamen wir noch am Shrine-Festival vorbei, für das wir schon einen Aushang im Hotel gesehen hatten. Im Prinzip war es ein Haufen Japaner in traditionellen Klamotten, die singend und trommelnd einen Tragbaren Schrein durch die Straße trugen. Wir fuhren zum Meiji-jingu gyoen, der dafür berühmt ist, daß sich an schönen Sonntagen die Cosplay Girls treffen. Dem Reiseführer zu Folge sind das vornehmlich Mädels, die in der Schule gemobbt wurden und jetzt als Studentinnen in einer der vielen Satelliten-Dormitory-Städten wohnen. Um sich voll zu entfalten und sich selbst zu verwirklichen schmeißen sie sich in Manga-Fantasie Kostüme und treffen sich alle vor dem Park, wo sie die Aufmerksamkeit kriegen, sei es von anderen Cosplay-Mädels (die feiern da richtige Tee-Parties) oder von den Ausländern, von denen sie sich nur zu gern fotografieren lassen. Nachdem wir reichlich geguckt und den Kopf geschüttelt hatten gingen wir in den Park, wieder eine sehr gepflegte und saubere Anlage, etwas überlaufen von Touristen und Japanern, aber sehr idyllisch. In der Mitte des Parks liegt ein Tempel, in dem das letzte Kaiserpaar bestattet ist. Die Japaner gehen dort hin zum Beten, Münzen auf den Altar werfen und Holztäfelchen mit Gebeten an Bäume hängen. Im Tempel fanden auch einige Hochzeiten statt, war wirklich interessant zu sehen, das Brautpaar in traditionellen Gewändern, die anderen Leute eher europäisch-traditionell, unter anderem im Frack. Der Tempel selber war auch sehr schön, ähnlich den chinesischen, allerdings nicht rot angepinselt und die Dächer etwas anders. Zwischendurch kam noch das Tempelpersonal vorbei und wir beguckten die Ikebana-Ausstelllung. Danach gingen wir in den Yoyongi koen, ein Garten den die Kaiserfamilie im Sommer nutzt, um der Hitze im Palast zu entfliehen, ebenfalls in dem Park. Die Highlights dort waren das Teehaus und die - mal wieder - sehr gepflegte Bepflanzung. Auf dem Rückweg kamen wir nochmal an den Cosplay-Mädels vorbei und gingen dann am Nationalstadion (in dem auch irgendwas stattfand) in Richtung Shibuja-Kreuzung, laut Fabian die größte Kreuzung der Welt. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es nicht die größte Kreuzung der Welt ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß es die belebteste Kreuzung der Welt ist. Man macht sich gar keine Vorstellung, die Bilder und die Videos sind nur ein blasser Abklatsch, aber trotzdem viel Spaß beim angucken. Nachdem wir ein paarmal über die Kreuzung gelaufen sind, entschlossen wir uns, in den Starbucks auf der Ecke zu gehen und das ganze Treiben aus der Überhöhung zu betrachten. Trotz Fotoverbots der Kellnerin (weiß der Geier, warum...) machten wir ein paar schöne Bilder und gingen dann durch den Buch/DVD/Video-Laden, der im gleichen Gebäude ist. Unter anderem gingen wir in die "schmutzige" Sektion, auch mal interessant, da war für jeden Geschmack was dabei ;-) und für die Japaner ist so etwas wohl völlig normal. Danach gingen wir noch durch die Straßen in der Nähe, guckten ein bisschen herum, in Elektronik-Geschäften, fünf-stöckigen Fußballgeschäften, Outdoor-Läden und so weiter. Nach Abendessen in einen Semi-Fast-Food-Restaurant, in dem man sich erst, für das, was man essen wollte, eine Marke am Automat ziehen (und bezahlen) mußte und diese dann dem Kellner gab, streunten wir noch ein wenig herum, gingen nochmal ins Restaurant zurück, um den vergessenen Regenschirm abzuholen und guckten dann noch ein bissl Mädels. Die japanischen Mädels sind nicht undbedingt hübscher als die chinesischen oder deutschen oder koreanischen (denen sie wohl am ähnlichsten sind), aber sie sind sehr gut angezogen, am liebsten im Minirock und mit Highheels und sehr professionell geschminkt, komplett mit falschen Fingernägeln, falschen Wimpern und allem was dazugehört, aber alles sehr "classy". Wie auch immer, nachdem wir genug geguckt hatten fuhren wir zurück und schliefen sehr gut, waren wir doch noch ein wenig angeschlagen. Am Tag darauf fuhren wir (mal wieder) zu einem Tempel, da war die Hölle los, weil irgendein japanischer Feiertag war. Dieser Tempel war den chinesischen doch eher ähnlich, sogar rot und alles, aber wieder mit münzenwerfenden Japanern. Nach einem Rundgang durch und um den Tempel fuhren wir zur Electronic-City, im Prinzip eine große Straße, links und rechts (und in den Seitenstraßen) mit zahlreichen Elektronikläden. Dort sahen wir auch wieder die typisch japanischen Spielhallen, in denen die japanische Jugend (und die Erwachsenen) in hunderten von verschiedenen Spielautomaten ihr Geld lassen. Sie fliegen, kommandieren Legionen von Kampfrobotern, spielen Karten, Majong und was nicht noch alles. Besonders beeindruckend war das Sega-Gebäude, wo dies alles auf fünf Etagen stattfand. Zum Mittagessen suchten wir uns ein Cosplay-Cafe, in dem wir von "echten" Zimmermädchen bedient wurden. Diese Art des Essens schien auch bei Japanern sehr beliebt zu sein, immerhin mußten wir fast eine dreiviertel Stunde in der Schlange stehen, bis wir einen Tisch bekamen. Allerdings waren die Zimmermädchen nicht von der sexy Sorte, sondern mit bodenlangen Röcken. Als wir dort gegessen - und es sehr genossen hatten - fanden wir noch andere solche Läden in der gleichen Straße, die allerdings etwas aufreizender waren, aber anscheinend alles nicht anrüchig, da gehen sogar Mädchen mit ihren Müttern hin oder Jungs mit ihren Freundinnen. Als nächstes standen die Roppongi Hills auf dem Programm, einer dieser riesigen Wohn-Arbeits-Shopping Komplexe, in denen sich ein Architekt selbst verwirklicht hat. Wir gingen durch die Mall und fuhren dann den Turm hoch und guckten von oben auf Tokyo. Besonders schön war zu sehen, wie viel Grün in dieser Stadt ist. Oben war ich dann auf Toilette und fand die erste typisch japanische Toilette mit Unterbodenwäsche, was ich natürlich gleich ausprobierte! Wieder unten gingen wir über den nahen Friedhof, war ganz sehenswert aber nicht so spektakulär, wie es der Reiseführer beschrieben hatte. Nach einem kurzen Abendessen fuhren wir wieder zum Elektronikmarkt und gingen in eine der Zimmermädchen-Bars, die nach dem Mittagessen zu voll war und nahmen noch ein, zwei, fünf Drinks. Leider durfte man nicht fotografieren, aber ihr könnt alle mal hier gucken, wie es war. Vor allem die Mitarbeiter-Seite (fünfte Schaltfläche von oben in der Leiste links) ist ganz nett :-) Naja, danach wieder ins Hotel und schlafen, Fabian war schon früher wach und besorgte noch etwas für seinen Gameboy, während ich packte und dann fuhren wir auch schon wieder zum Bahnhof, um den Shinkansen nach Osaka zu nehmen. Der Zug ist voll super, alles ruhig und wieder sauber, sogar Getränkeautomaten im Zug und braucht für 400 Kilometer etwas mehr als zwei Stunden. Aus dem Zug sahen wir erst ewig lang noch Tokyo, dann aber bald schon japanische Kleinstädte und dann die Berge. Witzig war, daß es im Zug drei verschiedene Toiletten gibt. Einmal für Männer (also ein Pinkelbecken), dann noch zwei für alle, an einer steht "japanese style" und an der anderen "western style". Ich wunderte mich zunächst, warum der Vorhang an der Männetoilettentür offen war, als ich dann aber drin war stellte ich fest, daß es kein Schloss gibt, deswegen ist es besser, den Vorhang offen zu lassen, weil man sonst die Tür ins Kreuz kriegen würde.

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