Wie schon gesagt war uns Kyoto wärmsten empfohlen worden, also beschlossen wir, am vorletzten Tag dort hin zu fahren. Wir nahmen den JR-Zug von Osaka Station und waren knappe eineinhalb Stunden später in Kyoto, wo ich dann bereute, meine Sonnenbrille im Hotel gelassen zu haben. In Fabians Reiseführer war ein Rundweg vorbei an den Hauptsehenswürdigkeiten beschrieben, den wir gehen wollten. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt gingen wir vorbei an Volvo-Händlern, dem Hyatt und putzigen kleinen Häuschen und sahen die ersten Tempel und Schreine, für die Kyoto berühmt ist. Zunächst mußten wir einen Berg hinauf gehen, erst durch einen Tempel (kein Teil des Rundwegs, aber wir improvisierten) und dann über einen riesigen Friedhof. Besonders schön fand ich den zweifarbigen Wald, der die umgebenden Hügel bedeckte. Nachdem wir unterwegs noch einen putzigen kleinen Tempel entdecken erreichten wir schließlich Punkt eins der Tagesordnung, den Kiyomizu Dera. Am Eingang des Tempels konnta man extra bezahlen und in den Keller gehen (vorher Schuhe aus). Dort ging es dann durch einen dunklen Gang (wirklich stockdunkel...man konnte nix sehen!!!) geleitet von einem Handlauf bis zu einem heiligen Stein, der nur durch ein Lock in der Decke sehr effektvoll beleuchtet war...es war fast ein bisschen Gruselig, aber sauwitzig, als man nach drei Minuten in dem Gang 50 mal abgebogen war und der Stein auf einmal wie in der Luft zu schweben schien. Nach diesem Erlebnis betraten wir den - sehr vollen - Tempel, der am Stadtrand schon fast im Wald liegt. Es war sehr voll aber die Anlage ist wirklich sehenswert, die Haupthalle ist an einem bewaldeten Hang errichtet, gestützt von einer mächtigen Holzkonstruktion. Als wir alles angeguckt hatten folgten wir wieder dem Rundweg, zunächst ging es durch sehr volle Gässchen, in denen Souvenierhändler dicht an dicht standen. Zu meiner großen Überaschung sah ich eine Gruppe junger Damen in traditionell japanischen Gewändern, die aber chinesisch sprachen. Wir gingen weiter durch die wirklich putzigen Gässchen und es wurde bald ruhiger. Als wir wieder auf größere Straßen kamen, trauten wir unseren Augen kaum, vor uns an der Rikscha-Haltestelle standen sechs Geishas. Wir hatten vorher schon davon gesprochen, daß es ja toll wäre, eine zu sehen, allerdings schätzen wir unsere Chancen eher gering ein, gibt es doch nur 200 Geishas in Kyoto und weitere 100 im restlichen Japan. Wir machten viele Fotos und beschlossen, daß wir keine 3000 (kein Schreibfehler!) für eine Dame ausgeben wollten (sie hätte uns wahrscheinlich eh nicht bespaßt, man braucht einen Bürgen, der einen vorstellt) und gingen weiter in die Ishibei-koji, angeblich die Schönste Straße Kyotos. Sie war auch wirklich schnuckelig, ein kleines Gässchen, links und rechts Restaurants und Gasthäuser, allerdings alles ausgesprochen ruhig. Die Häuser waren so, wie man sie sich vorstellt, viel Holz und Bambus, alles traditionell japanisch aber sehr modern wirkend. Leider habe ich anscheinend vor lauter gucken vergessen, euch ein paar schöne Fotos zu machen, werd den Fabian mal anhauen, ob er gute hat, die lade ich dann noch hoch. Da wir zwischendurch unseren Rundweg verlassen hatten, verloren wir zwischenzeitlich die Orientierung, versuchten den Weg wiederzufinden und beschlossen nach vielem Hin und Her einfach das, was wir versucht hatten, zu vermeiden, nämlich einfach den Weg zurückzugehen, den wir gekommen waren. Nach einem weiterem Tempel, den wir nur von außen beguckten ging es durch den nahen Park (auch wieder eher ungeplfegt...) zum Chion In, einer sehr eindrucksvollen Tempelanlage. Den Eingang bildet ein großes Tor nach dem es eine große Treppe den Hügel hinaufgeht. Oben stehen dann mehrere kleine Gebäude und eine große Gebetshalle. Bevor man diese betritt, muß man die Schuhe ausziehen und kann dann auch auf Stegen um das ganze Gebäude herumgehen. Nächste Station (und letze auf der Liste des Rundweges) war der Shoren In, ein Kloster, das nun wirklich typisch Japanisch war. Am Eingang waren die Schuhe auszuziehen und dann ging es in niedrige, aber sehr luftige, mit Bambusmatten ausgelegte Räume. Dazwischen waren Reispapierwände in dunklen Holzrahmen und es öffnete sich der Blick über einen Garten mit Wasserfall, Kois im Teich, Bonsais und einem Bambuswäldchen. Nachdem wir das lange angeguckt hatten (und ich auf der Gartenbank einnickte während ich auf Fabian wartete), stärkten wir uns kurz. Mittlerweile war Fabian so vom Heuschnupfen geplagt, daß wir beschlossen, so langsam den Rückweg anzutreten. Da unser Zug eh dort abfuhr, beschlossen wir noch, die Kyoto-Station anzugucken, ein wirklich futuristisches Bauwerk. Von unten wirkt es gar nicht so beeindruckend, wenn man allerdings auf einer der großen Treppen an den Stirnseiten steht oder auf dem Skywalk die Bahnhofshalle im elften Stock überquert, wirkt das ganz anders. Als wir uns sattgesehen hatten, stiegen wir fertig wie die Schnitzel in den Zug und fuhren zurück nach Osaka.
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