Am Montag (18.05.) hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag. Bin natuerlich frueh aufgestanden, hab mit Papa auf dem Balkon gefruehstueckt und bin dann zeitig losgefahren, damit ich auch gleich nen guten Eindruck mache. Papa gibt mir netterweise sein Auto, so sind es nur etwa 5-6 min, statt etwa 20 zu Fuss! Um 6:50 stand ich dann an der Fabrik, da war noch niemand da. Gegen 7 kamen dann die Leute (auch meine Betreuer, die ich am Donnerstag schon kennengelernt hatte), alle sagten mir, dass ich zu frueh sei (^_^). Das Klischee des Deutschen wieder erfuellt...score! Habe dann erstmal meinen Arbeitsplatz gezeigt bekommen, im Buero bei den Ingenieueren mit eigenem Schreibtisch und Rechner. Danach sind wir durch die Halle gegangen, und ich habe alles gezeigt bekommen. Hauptgeschaeft ist hier das Fertigen (Drehen) von Lagerringen fuer FAG Austria. Die Aufgabe der Ingenieure dabei ist, die Fertigungszeichnungen, die von FAG kommen, in AutoCAD zu ueberfuehren und daraus dann die NC-Programme fuer die Drehmaschinen (alle etwas aelter, alle deutsch!) zu erstellen. Im Moment laueft die Produktion allerdings auf 10% der Kapazitaet, daher hat hier eigenlich niemand so richtig was zu arbeiten. Haben dann Vormittags auch direkt einen Ausflug gemacht nach Gradačac, da stehen einige Partnerwerke, die vor dem Krieg alle als staatliche Firma zusammenhingen, jetzt aber eigenstaendig sind. Das Werk in Gradačac war sehr beeindruckend, die Hallen alle von aussen etwas schaebig und Kaetzchen laufen auf dem Werksgelaende herum, die Maschinen alle aber sehr neu und modern (und deutsch), habe auf einige Schilder geguckt, da Stand meistens Baujahr 2005 oder etwas in der Richtung. In Gradačac werden Teile fuer Turbolader gefertigt und Turboladerbaugruppen montiert, in erster Linie wohl fuer Garrett. Ganz witzig war es, solche Dinger mal zu sehen aus der Naehe und in echt, nachdem ich eine Studienarbeit darueber geschrieben habe. Auf jeden Fall wollten die dort, dass Mibo eine Vorrichtung zum Einpressen von Pins entwirft und baut (was wir im Endeffekt nicht gemacht haben). Bei dem "Fachgespraech" habe ich nur Bahnhof verstanden, aber auf dem Konferenztisch lagen Turboladerteile fuer Volovo (^_^). Nach einem ausfuehrlichen Werksrundgang haben wir noch zwei andere Firmen angeguckt, die direkt nebenan waren. Eine stellt Schneidwerkzeuge her, die andere macht in Alu-Guss. Nach dem Mittagessen im Restaurant sind wir dann wieder nach Brcko gefahren, wo ich anfing, mich in NC-Programmierung einzuarbeiten. Mein Betreuer Miodrag ist sehr nett und hat sehr viel Ahnung, er ist auch schon von Anfang an dabei. Und das war dann im Grossen und Ganzen schon der erste Tag.
Ich habe hier nicht so viel zu tun, die Ingenieuer haben alle selber nix zu schaffen. Kann von meinem Schreibtisch die Monitore meiner Kollegen sehen, die surfen auch die meiste Zeit nur. Ab und zu schickt Adis mir mal eine Mechanik- oder Knobelaufgabe, das ist eine ganz nette Abwechslung. Anis (mit dem ich das Praktikum ausgemacht hatte), schaut auch regelmaessig mal rein, dann gibts ne Runde Kaffee oder es wird nur gequatscht. Allerdings bemuehe ich mich auch um Aufgaben. Ich kenne mich mit dem Vorgehen hier mittlerweile ganz gut aus, auch AutoCAD hab ich wieder drauf und NC-Programmieren kann ich jetzt auch (zugegebenermassen ist es nicht so schwer, vor allem nachdem mir die Jungs hier ihre Tricks gezeigt haben!). "Mittagspause" ist immer so gegen 10, dann holt Anis mich ab und wir fahren ins nahegelegene Mercator Centar und holen uns was leckeres. Ich waehle dabei meistens Pita oder Burek, ab und zu auch mal Pizza. Alles sehr lecker und nicht wirklich teuer.
Am Dienstag ging es normal weiter, kleinere Aufgaben, viel "Selbststudium", vormittags bin ich dann mit Anis in die Stadt gefahren, um mich bei der Auslaenderbehoerde offiziell anzumelden. Im weiteren Verlauf des Tages hab ich dann noch den Firmebesitzer kennengelern.
Am Dienstag Abend war dann Party beim Finnischen Kontingent, das war echt super. Eher im kleinen Kreis, es waren die 5 finnischen Soldaten da, Papa mit 2 Kollegen und ein paar vom oesterreichischen Kontingent. Das erste Highlight war, dass die Finnen (die schon coole Dienstfahrzeuge haben) uns ihre Garage mit den Privatwagen zeigten. Neben einem neuen 3er und einem Audi A4 standen da zwei Volvo XC90 Excecutive Edition mit Vollausstattung. Witzigerweise waren sie genau identisch, zwei Kumpels hatten sie sich zusammen gekauft. Die Finnen bekommen nicht so viel Extrageld wenn sie ins Ausland gehen, kaufen dann allerdings steuerfrei in Finnland ein, was sich bei Autos schon lohnt. Mit "Mengenrabatt" haben sie fuer die Volvos nur knapp die Haelfte des Marktwertes bezahlt, alles in allem standen da sicherlich 300.000 € in Autos in der Garage!
Nach einer sehr lustigen Vorstellungsrunde hiess es dann auf einmal "Sauna"! Die witzigen Finnen haben sich neben ihr Haus (das auch sehr schick und beeindruckend ist) einfach einen Saunacontainer gestellt und so haben sich einfach alle ausgezogen und wir sind in kleinen Gruppen saunieren gegangen! Einfach megacool. Die naechste Party die ich mache, wird auch eine Saunaparty! Danach gab es dann fein gegrilltes und finnisches Bier (das gab es auch schon vorher). Als wir dann gehen wollten, gab es erst noch ein paar warme Worte und Praesente fuer Papa und dann hab ich auch noch ein kleines Buechlein und eine Urkunde des "Finish Sauna Club Brčko" bekommen...sauwitzig!
Am Donnerstag waren wir abends auf einem Dorffest in Ulice. Papa war schon vormittags da zur Messe, abends war dann in der Mehrzweckhalle Musik und wieder kaltes Schwein, Brot und Salat. Dort habe ich ein paar nette (und ausgesprochen huebsche) Oesterreicherinnen kennengelernt. Die Party war aber im Grossen und Ganzen schon vorbei, Papa hat aber sofort Bekannte gefunden und so sass ich bei denen und war traurig, dass ich fahren musste, der Alkohol floss naemlich in Stroemen. Zwischendruch gab es noch Tanzvorfuerungen, viel zu laute Musik und hitzige (wirklich hitzige!) Politdiskussionen. Als wir dann gehen wollten (Papa war voll und ich hatte keine Lust mehr) hiess es dann, es gibt noch Kaffee bei dem und dem. Also sind wir noch da hin gefahren und hofften, dass wir das schnell hinter uns bringen koennten. Wir fuhren dann etwas ausserhalb von Ulice zu einer - man muss schon sagen - Villa, komplett mit Poolhaus und 5er und 6er BMW vor der Tuer und grosser Mauer drum rum. Als wir dann reinkamen und die Wurstplatten auf dem Tisch stehen sahen, ahnten wir schon das Schlimmste und tatsaechlich kamen immer mehr Leute der kroatischen Wirtschafts- und Politprominenz. Kaffee gab es natuerlich nicht, sondern Schnapps und dann wurde auch noch Essen (kaltes Schwein, Brot, Salat...) aufgetischt und dann Kuchen, so dass es dann doch wieder laenger dauerte. Witzigerweise sass der Herr des Hauses die meiste Zeit schweigend am Tisch, ab und zu laechelte er mal wohlwollend zu einem der Gespraeche, sagte aber sonst nur seiner Frau, wenn sie abraeumen konnte oder Glaeser nachfuellen oder den Kuchen holen sollte. Naja, irgendwann machten wir dezent nen Abgang und ich brachte Papa ins Bett, wofuer es hoechste Zeit wurde (^_^).
Freitag war unspektakulaer, ausser dass wir abends zum deutschen Filmfestival gehen sollten. Waren auch schon um 5 da, nur um festzustellen, dass es erst um halb 6 losgeht und dass wir "Wer frueher stirbt ist laenger tot" verpasst hatten, den ich gerne nochmal geguckt und Papa gezeigt haette. Gingen dann erstmal ins Click um ein Bier (oder eher 2) zu trinken und waren dann nochmal puenktlich da, allerdings immer noch als die einzigen. Nach 10 minuetigem Warten kam dann noch eine Schulklasse. Die hatten allerdings nichts besseres zu tun als zu quatschen, zu lachen, mit ihren Handys rumzufunzeln und (in der letzten Reihe) zu knutschen. Ausserdem war der Film ("4 Minuten") scheisse, also verdrueckten wir uns nach 15 Minuten.
Ach ja, Pirometal - die Schmiede von Mibo - hab ich mir noch angeguckt. Recht interessant, aber in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe: Von den Maschinen laeuft nur die Haelfte (weil sie kaputt sind, nicht weil sie nicht ausgelastet waeren), das Werksgelaende ist mehr eine Ruine, in der Halle sind ueberall Oelpfuetzen und das Schlimmste ist der Arbeitsschutz: Da holen die Jungs die 1100° Grad heissen Teile ausm Ofen, und das in Turnschuhen...ich hab mich mal vorsichtshalber etwas abseits gestellt zum zugucken!
Am Samstag war Arbeitseinsatz bei Ruša, einer Bekannten von Papa. Nachdem wir morgens etwas durch die Stadt gegangen waren und mir einen Haarschnitt besorgten, kamen wir - nach einer Staerkung mit Cevapi - gegen Mittag zu Ruša. Ich verbrachte den Nachmittag mit 3 1/2 Stunden Unkraut jaeten im Erdberfeld, nicht so geil wie es klingt (^_~). Ich werde nie wieder Erdbeeren essen, jetzt wo ich weiss, wie viel Scheissarbeit das mit sich bringt. Allerdings muss ich (mich selber lobend) sagen, dass das Beet danach tippi-toppi war! Als Lohn fuer unsere Muehen gab es dann noch leckeres vom Grill. Wer uebringens stramme Beine will, dem sei Unkraut jaeten ans Herz gelegt, hatte von Sonntag bis gestern (Donnerstag) so dermassen Muskelkater in der Oberschenkelrueckseite, dass es zwischendurch schon gar nicht mehr lustig war! Allerdings hatte ich keine Probleme mit meinem Ruecken, das spricht ja fuer mein Rueckentraining! Irgenwann wurden allerdings die Muecken zum Problem - zumindest fuer mich, an die alten Leute gehen sie ja eh nicht, daher draengte ich zum Aufbruch.
Und als wir dann daheim waren, dachte ich mir, dass ich ja endlich mal das Nachtleben auschecken muesste und rief Anis an, der - wie es der Zufall wollte - schon in der Stadt war mit einem Kumpel. Ich muss sagen, dass brčkoer Nachtleben kann sich sehen lassen, viele Laeden, Musik ist ganz gut, wenn auch etwas gewoehungsbeduerftig (viel "lokales" oder zumindest "nationales" in der Landessprache, aber durchaus tanzbar), Bier ist immer eiskalt und guenstig und man hat eine grosse Auswahl. Das beste aber sind die Maedchen, oder besser: Die Damen! Erstmal sind die hier ja alle ziemlich huebsch, und dann brezeln die sich nochmal so richtig auf zum Weggehen. Dann flanieren sie ihn ihren edlen Kleidchen mit Handtaeschchen ueber die Strasse...und wie die hier laufen koennen...ein Traum! Ausserdem erinnern sie mich in mancher Hinsicht an die Chinesinnen (^_^). Was ich allerdings krass fand: Der Kumpel von Anis hatte ein Auge auf eine kurvige Blondine geworfen, die irgendwann tatsaechlich zu ihm kam und ihn antanzte. Als ich im dann nahelegte, dass es doch mal angebracht waere, dass er sich umdreht (sie rieben sich Ruecken an Ruecken aneinander, was er bestimmt toll fand, war er doch von Anfang an von ihrem Hintern fasziniert!), sagte er mir, dass das nicht ginge, er wisse ja nicht, ob sie Kroatin, Serbin oder Bosniakin sei...trotz aller Offenheit und Bemuehungen gerade im Distrikt ist die Trennung noch ganz tief in den Koepfen der Menschen drin!
Ja irgendwann hatten die Jungs dann keine Lust mehr, ich war irgendwie trotz Gartenarbeit nicht totzukriegen und das Bier lief von ganz allein, und wir gingen Burek essen und dort trafen wir dann ueberaschenderweise Monika, eine der zwei Oesterreicherinnen mit ein paar Freunden. Also liessen wir (Anis und ich) die gehen, die gehen wollten und gingen mit Monika und ihren Leuten nochmal zum Click zurueck und tranken und quatschten noch ein bissl auf der Terrasse, drinnen wars zu voll!
Am Sonntag fuhren wir erst nach Vinkovci in Kroatien, wo wir eine kurze Kaffeepause machten und die neue Fussgaengerzone anschauten. Von dort aus weiter nach Vukovar, wo ich beim letzten Besuch schon war, und ueberascht war, wie wenig dort passiert war nach dem Krieg. Eigentlich haben die eine coole Altstadt im KuK-Stil, die allerdings sehr kaputt geschossen wurde. Nur die 60er Jahre Kommunismus-Architektur-Silos wurden verschont. Jetzt laeuft das aber so langsam alles an, die ersten Herrenhaeuser wurden wiederhergestellt, am Schloss haben die Bauarbeiten auch begonnen und die historischen Gebaeude in der Innenstadt werden auch in Angriff genommen. Dazu kommen noch einige sehr huebsche neue Gebaeude, z.B. ein Museum und ein Hotel. Danach ging es nach Ilok zum Mittagessen im Hotel Danube, direkt am Fluss im Gruenen. Die Strecke von Vukovar nach Ilok ist sensationell zum Fahren, fuerht durch die Weinberge ueber sanfte Huegel und man kann mal so richtig aufdrehen (^_^). Leider waren alle Tische draussen besetzt, also mussten wir drinnen sitzen, war aber auch schoen! Das Essen (Fischplatte) war ausgezeichnet, vor allem der Sterlet, eine Stoerart, die als Rueckgrat nur einen Schnuersenkel hat, war megalecker. Danach haben wir noch die Burg von Ilok angeguckt und sind dann wieder heim gefahren!
Freitag, 29. Mai 2009
Erste Woche Pt. 3
Veröffentlicht um
08:56
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